Beethovens 10. Sinfonie, die Unvollendete, wurde mithilfe von KI (Künstliche Intelligenz) vollendet. Wie das klingt, kann man am 9. Oktober ab 19:00 Uhr live via MagentaMusik 360 entdecken und später auch als Download oder auf CD.

Kreativität und Künstliche Intelligenz

Das Projekt der Vollendung der 10. Sinfonie Beethovens adressiert eine der Kernfragen rund um Künstliche Intelligenz: Können denn Algorithmen tatsächlich kreativ sein? Was unterscheidet uns Menschen von den Maschinen? Die Antwort hängt natürlich auch eng zusammen mit unserem Verständnis von Kunst und was wir zukünftig als Kunst definieren.

Dass sich KI künstlerisch betätigt, ist mittlerweile kein Neuland mehr. Bereits 2018 wurde das Porträt von Edmond Belamy für 432.500 Dollar versteigert. KIs haben aber auch schon Drehbücher geschrieben, Beatles Songs komponiert oder unvollständige Sinfonien von Schubert oder Mahler fertiggestellt.

Unvollendete zum 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven finalisiert

Aus Anlass des 250. Geburtstags Ludwig van Beethovens im Jahr 2020 hat sich die Deutsche Telekom (Mutterkonzern von Magenta Telekom) an Beethovens unvollendete 10. Sinfonie gewagt. Ein internationales Team aus Musikwissenschaftler*innen und KI-Expert*innen hat aus diesem Grund zusammen an dem Experiment gearbeitet.

So entstand die „Beethoven KI“ für die Unvollendete

Beethoven starb 1827. Bei seinem Tod hinterlieĂź er jedoch ĂĽber 40 Skizzen fĂĽr die unvollendete Sinfonie. Dabei handelt es sich teilweise um nur kurze, unausgearbeitete Fragmente. Keinen Teil seiner Komposition hat er zu Ende gefĂĽhrt.

Im ersten Schritt musste die KI also die vorliegenden Daten von Beethoven wie Sinfonien, Noten-Skizzen und Partituren analysieren und in eine Maschinensprache aufbereiten. Im Schluss wählte man die passende Machine Learning Methode aus. Zum Einsatz kamen Algorithmen der Sprachverarbeitung, denn Sprache als auch Musik bestehen aus kleinen Einheiten wie Buchstaben oder eben Noten. Diese ergeben schlussendlich zusammengesetzt einen Sinn.

Im nächsten Schritt schrieb die KI die Musikfragmente auf unterschiedliche Art um wenige Noten weiter. Diese bis zu 100 verschiedenen Vorschläge wurden von dem Team begutachtet. Die Besten hat man im Anschluss wieder in das System zurückgespielt. So entstand ein immer längeres Werk basierend auf Beethovens Stil.

Die Unvollendete der „Beethoven KI“ wird uraufgeführt

Zum Schluss musste das Ergebnis der „Beethoven KI“ noch für ein Orchester – also mehrere verschiedenen Instrumente – übersetzt werden. Das war die Aufgabe von Walter Werzowa. Er interpretierte es für die unterschiedlichen Instrumente. Am 9. Oktober 2021 um 19:00 Uhr ist nun soweit: Die Uraufführung findet im Telekom-Forum in Bonn statt und kann live via MagentaMusik 360 mitverfolgt werden. Unter der Leitung von Generalmusikdirektor Dirk Kaftan spielt das Beethoven Orchester neben der Uraufführung auch die 8. Sinfonie Beethovens.

Um fair zu bleiben: Bereits 1988 hat das Royal Liverpool Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Walter Weller die Fertigstellung der 10. Sinfonie von Barry Cooper gespielt. Cooper hat Beethovens Skizzenbücher ausgiebig studiert und ein Buch darübergeschrieben. Danach fühlte er sich sicher genug, die einzelnen Sätze der Sinfonie zu identifizieren und dann die unvollendete Sinfonie fertigzustellen.

Album „Beethoven X – The AI Project” ab 8. Oktober

Die Uraufführung kann man auch im Nachhinein via MagentaMusik 360 angesehen. Zudem veröffentlicht das BMG das Album „Beethoven X – The AI Project” weltweit am 8. Oktober als CD und Stream/Download (ebenfalls in Dolby Atmos) auf allen digitalen Plattformen.

Richtungsweisend fĂĽr die Zukunft

Wie das Projekt zeigt: Nur wenn Mensch und Maschine planvoll zusammenarbeiten, kann das große Potenzial der kombinierten menschlichen und maschinellen Kreativität erreicht werden. Denn die KI wirft ihre Komposition als monoton anmutende Tonfolge aus. Es brauchte eine Übersetzung dieser für die Instrumente. Und erst, wenn ein Mensch diese Noten auf einem Instrument spielt, erwachen sie zum Leben und werden mit Tempowechseln und Gefühl interpretiert. Was das Experiment für unser Kunstverständnis bedeutet, wird sich in Zukunft zeigen.