Blockchains können unseren Alltag in der digitalen Welt weitreichend verändern. John Calian von den Deutsche Telekom Innovation Laboratories und Tom Fuerstner vom Wiener IoT- und Blockchain-Startup Riddle&Code haben im Rahmen eines Vortrags bei der Magenta Telekom spannende Einblicke gegeben.

Alles, was wir für unser digitales Leben benötigen, stellen wir derzeit für sämtliche Internetangebote separat bereit, sei es Google, Uber, Facebook oder eine der unzähligen anderen Plattformen. Sie alle haben zumindest unseren Namen, unsere E-Mail-Adresse und in vielen Fällen noch viel mehr, wie etwa unsere Bankdaten. Jedes Internetangebot verfügt über seine eigenen Nutzungsbedingungen und steuert damit die Daten und Möglichkeiten des Nutzers.

Die Idee hinter Blockchain ist, dass jeder selbst für sein digitales Eigentum Verantwortung übernimmt und Zugriff gewährt, wo es notwendig ist. Technisch gesehen werden die Daten nur noch einmal gespeichert und allen Anbietern kann die gleiche Information bereitgestellt werden – wenn man möchte. Sie können im erforderlichen Ausmaß freigegeben und wieder weggenommen werden, wenn sie nicht mehr benötigt werden. Daten können eingesehen, aber nicht einfach dupliziert oder behalten werden. Man spricht von einem dezentralisierten Zugriff.

Blockchain verleiht Identitiät

Wie kann das im Alltag aussehen? Der Mensch ist auf Grund seines Kontos verifiziert. Damit kann er jeglichen Service, der im Internet geboten wird, nutzen, egal ob es das Hotelzimmer ist oder die Buchung eines eScooters – denn das System weiß, welche Berechtigungen er hat oder nicht. Beim Buchen sei es völlig irrelevant, um welche Person es sich genau handelt – die Info über einen vorhandenen Führerschein und die Möglichkeit der Abrechnung reicht aus, um eine Person zu verifizieren und den Dienst sofort anzubieten, erklärt John Calian, VP Blockchain Group & Head of Deutsche Telekom Innovation Laboratories.

Blockchain für physische Objekte

Dass man digitale Güter, Kontakte oder Daten in eine Blockchain bringen kann, klingt noch logisch. Wie man Dinge ergänzt, kann sich Tom Fuerstner, CEO Riddle&Code, schon gut vorstellen. Es gehe einfach um die Adressierbarkeit, über die sich ganz neue Möglichkeiten definieren. Die Variation an Adressen ist bei Blockchain weit größer als bei Internetstandards wie IPv4 oder IPv6. Es gibt ein eigenes Adressschema, mit dem jedes Ding in diesem Universum adressiert werden kann. Mit Chips an einzelnen Objekten, die sich nicht mehr entfernen lassen, wird die einzigartige Zuordenbarkeit möglich. Das physische Objekt erhält so einmalig einen digitalen Zwilling.

Ein gutes Beispiel sind die Smart Meter bei Energieversorgern. Auch in der Telekommunikationsbranche gibt es bereits Anwendungsgebiete: Call Data Records (CDR) ist das Abrechnungssystem, das sich für Roaming etabliert hat. Individuelle Verträge zwischen internationalen Telekommunikationsanbietern können in einer Blockchain gespeichert werden. Minimaler Papierkram und umgehend verfügbare, digitalisierte Preisinformationen sind Vorteile, die erhöhte Kosten und ineffiziente Bürokratie minimieren.

Eine Frage des Vertrauens

Blockchain ist eine Technologie – ein digitales Konto, das viele Möglichkeiten offen lässt. Konsens und der Wille zur Teilnahme sind die Voraussetzung, um daraus etwas zu machen. Blockchain erfordert Vertrauen – so wie sich beispielsweise unser Währungssystem sein Vertrauen verdiente, weiß John Calian. Zu den Anwendungsgebieten, die bereits vorliegen, können sich auf dieser Basis zukünftig noch viel mehr Möglichkeiten entwickeln.