Smart Shelf? Unter einem smarten Einkauf war bislang – in vielen Haushalten auf jeden Fall – noch Folgendes zu verstehen: Nur Dinge, die wirklich gebraucht werden, landen im Einkaufswagen. Wenig impulsiv, wohlüberlegt und vorausschauend lautete die Grundstruktur eines solchen Einkaufs. Im Zeitalter von IoT und KI hat sich das Verständnis des schlauen Einkaufswagens allerdings etwas verändert.

Trendvorhersagen mit Hilfe von Smart Shelf

So ist nun, wenn von einem smarten Einkaufsbummel die Rede ist, eher die Verknüpfung von stationärem Handel und diesen Zukunftstechnologien – die eigentlich schon Gegenwartstechnologien sind – gemeint. Ganz in der Gegenwart ist das Thema „Smart Shelf“ in Deutschland und Österreich allerdings noch nicht angekommen. Wenn KI und IoT hier zum Einsatz kommen, dann eher nur vereinzelt und in Form von Pilotprojekten. Einen guten Überblick darüber, wie der deutschsprachige Handel zu diesem Thema steht, gibt eine vom EHI Retail Institute durchgeführte Studie. So kam dabei unter anderem heraus, dass die überwiegende Mehrheit, nämlich 69 Prozent KI als wichtigsten technologischen Trend der kommenden Jahre sieht. Prognosen geben Grund zur Annahme, dass KI, vor allem im Bereich der vorausschauenden Datenanalyse (Predictive Analytics), eine tragende Rolle spielen wird. Vor allem Textilhändler könnten von Trendvorhersagen profitieren, um das richtige Produkt, zur richtigen Zeit und am richtigen Ort anbieten zu können. 

Was sind Smarte Regale eigentlich?

Der Begriff „Smart Shelf“ bezieht sich in der Regel auf ein mit bestimmten Sensoren ausgestattetes Aufbewahrungsmöbel, das beispielsweise automatisiert Bestandsmeldungen abgibt oder drohende Out-of-Stock-Situationen rechtzeitig meldet. Kunden und Kundinnen, die in einer Filiale einkaufen, deren Regale mit dem dementsprechenden Label (Electronic Shelf Label) ausgerüstet wurden, können ihr Smartphone mit Hilfe einer App oder eine dafür entwickelten Karte einfach an die elektronischen Regaletiketten halten und so einkaufen. Die gewünschten Produkte werden auf diesem Weg von den Kunden und Kundinnen selbst erfasst und auch gleich am Regal bezahlt. Die Waren landen also nicht zuerst im Einkaufswagen und dann erst in der Tasche, sondern gleich in der Einkaufstasche. In einer Kassenschlange zu warten, ist bei dieser stark zukunftsträchtigen Variante nicht mehr notwendig.

Smart Shelf bereits in Niederlande

Eine Supermarktkette, bei der diese Methode bereits im Einsatz ist, ist die niederländische Kette Albert Heijn. Konkret funktioniert das folgendermaßen: Die Kunden und Kundinnen scannen die Artikel mit ihrem Smartphone oder der Karte und RFID (eine kontaktlose Kommunikationstechnik, die Informationen zur Identifikation von Personen, Tieren, Waren sowie Gütern überträgt). Als angenehmer Nebeneffekt ergibt sich für die Händler und Händlerinnen gleichzeitig die Möglichkeit, das Verhalten ihrer Kundschaft genauer zu analysieren. Die Auswertungsmöglichkeiten, die ihnen damit zur Verfügung stehen, waren bisher nur klassischen Webshops vorbehalten.

Smart Shelf
© TahR78 CC BY-SA 3.0

Von der Analyse zur Optimierung

Über smartes Einkaufen zu reden, bedeutete zu Beginn vor allem eines – sich anzuschauen was Amazon gerade so treibt. Mit seinem eigenen Supermarktkonzept „Amazon Go“ war der Internetriese auch im Bereich „Smart Shelf“ wieder einmal Vorreiter. Die große Besonderheit beim neuen Einkaufserlebnis aus dem Hause Amazon beginnt bereits beim Betreten des Marktes – hinein kann nur, wer vorher die Go-App heruntergeladen hat und mit seinem Konto angemeldet ist. Alle Aktionen, die dann im Shop von den Konsumenten und Konsumentinnen gesetzt werden, werden von über 100 Kameras und Sensoren erfasst und in Verbindung mit KI ausgewertet. Diese drei Technologien nennt Amazon Computer Vision, Sensor Fusion und Deep Learning. Somit wird jede Entnahme eines Produktes aufgezeichnet. Der revolutionäre Charakter des Konzepts besteht vor allem in seiner Kombination aus Bildauswertung, Echtzeitverarbeitung von Daten und ihrer Auswertung mittels künstlicher Intelligenz. Die Erfassung aller Kunden bietet nicht nur eine völlig neue Möglichkeit, die Einkaufsgewohnheiten der Kunden und Kundinnen zu analysieren, sondern stellt auch eine wichtige Optimierungsmöglichkeit des Warenbestandes dar. Die Technik dürfte sich außerdem nicht nur im Bereich der Analyse bewähren, sondern könnte sich auch zu einem wirksamen Mittel gegen Diebstähle entwickeln.