Die ersten Sekunden deiner Einschulung oder eine tolle Erinnerung an einen Urlaub in den frühen 1990er Jahren liegen auf einer VHS-Kassette? Leider gibt die Kassette nach spätestens 35 Jahren den Geist auf und ohnehin gibt es kaum noch Videorekorder für dieses Format. Heißt es, dass die Erinnerungen verschwinden, oder gibt es eine Chance, eine alte VHS-Kassette zu digitalisieren?
Die alten, verstaubten VHS-Kassetten sind sicherlich noch in mehreren zehntausend oder hunderttausend Haushalten in Österreich zu finden. Im Regal oder im alten Umzugskarton. Häufig laufen über die beiden Spulen der VHS-Kassetten alte Hollywood-Klassiker oder tolle Erinnerungen vergangener Tage. Doch obwohl die alten Kassetten ihr nostalgisches Comeback feiern, ist ihre Lebenszeit begrenzt. Und damit auch ihr Videomaterial. In diesem Artikel erfährst du, wie du alte VHS-Kassetten digitalisieren kannst. So blickst du selbst in 30 Jahren noch auf die alten Erinnerungen zurück.
| INFO Was ist eigentlich eine VHS-Kassette? Die Buchstaben VHS stehen für Video Home System. Dabei handelt es sich um ein analoges Videobandformat, das der japanische Unterhaltungselektronikhersteller JVC im Jahr 1976 entwickelte. Durch dieses Format konnten die Menschen fortan Videos auch Zuhause ansehen. Die VHS-Kassette galt lange Zeit als der weltweite Standard, bevor die DVD sie in den frühen 2000er-Jahren ablöste. Du erkennst eine solche VHS-Kassette an dem schwarzen Kunststoffgehäuse mit zwei links und rechts ersichtlichen Spulen. |
Was benötige ich, um meine alten Videokassetten zu digitalisieren?
Möchtest du eine alte VHS-Kassette digitalisieren, benötigst du zunächst ein Kabel (Videograbber, Videoumwandler), über welches du deinen PC mit einem analogen Videorekorder verbindest. Wie sieht ein solches Kabel aus? Es ist kein klassisches USB‑C‑Kabel, wie du es von heute kennst.
Das Kabel verfügt einerseits über einen USB-Anschluss und andererseits über einen Scart-, Cinch- oder S-Video-Anschluss. Der Anschluss hängt davon ab, welches Abspielgerät du besitzt. Neben den beiden genannten Produkten benötigst du noch eine entsprechende Videosoftware. Mithilfe der Software lassen sich die Signale von den Abspielgeräten aufnehmen.
Kurz und knapp: Um alte Videofilme zu digitalisieren, benötigst du:
- 1 Video-Abspielgerät (Videorekorder oder Camcorder)
- 1 USB-Videoumwandler (Scart,- Cinch- oder S-Video-Anschluss
- 1 Videosoftware
Zusätzlich können dir diese kostenlosen Tools (Freeware) helfen, deine alten Videos zu digitalisieren:
- Virtual Dub
- OBS Studio
- VLC Media Player
- DaVinci Resolve
- Magix Video Deluxe
Wie alt dürfen alte Videokassetten sein, um sie noch zu digitalisieren?
Die meisten VHS-Kassetten aus den achtziger und neunziger Jahren weisen eine ordentliche Qualität auf. Natürlich hängt die Qualität ein wenig vom genutzten Videorekorder ab. In der Praxis gilt jedoch meistens: Lagerst du deine alten VHS-Kassetten kühl und dunkel, funktionieren die Bänder bis zu 35 Jahre. Danach schleichen sich Bildwackler ein und der Ton klingt nur noch okay.
Wie kann ich eine alte VHS-Kassette am besten digitalisieren?
Es gibt mehrere Möglichkeiten, deine alten Videos zu digitalisieren. Du kannst es entweder selbst in die Hand nehmen oder du gibst die Aufgabe in die Hände eines erfahrenen Profis. Wir erklären dir Schritt für Schritt, wie es funktioniert.
Schritt für Schritt: Eine alte Videokassette selbst digitalisieren
- Verbinde den Videoumwandler mit dem Computer und starte die dazugehörige Software.
- Schließe danach das Video-Abspielgerät an die passenden Anschlüsse des Videoumwandlers an. Da nicht mehr alle Notebooks einen USB-Anschluss verfügen, benötigst du vielleicht noch einen Zwischenadapter.
- Öffne die Software des Videograbbers. Du solltest jetzt auf deinem Bildschirm das vom Video-Abspielgerät ausgestrahlte Bild sehen. Klicke jetzt mit der Maus auf den Aufnahmebutton und starte das Video auf dem Abspielgerät.
- Der Videograbber fängt an zu arbeiten. Er empfängt das analoge Signal und digitalisiert deine alte VHS-Kassette. Anschließend landet die Videodatei direkt auf der Festplatte.
- Speichere die Videodatei in einem modernen, kompatiblen MPEG-4-Format ab. So kannst du dir das Video beispielsweise auch auf dem Smartphone ansehen. Die Qualität ist natürlich nicht vergleichbar mit den heutigen Videos. Das liegt am analogen Ausgangsformat.
Alternative: Filme ein altes Video mit einem DVD-VHS-Kombigerät ab
Neben der Option mit dem Videograbber kannst du deine alten Videos auch auf eine DVD überspielen. Das funktioniert mit einem Kombigerät aus DVD- und VHS-Rekorder. Mit diesem Gerät lassen sich die alten Videoaufnahmen problemlos auf eine DVD überspielen.
Dabei solltest du jedoch unbedingt einen Blick auf das ausgegebene DVD-Format werfen. Bei der überspielten DVD sollte es sich um DVD-R, DVD+R oder DVD+R DL (für längere Aufnahmen) handeln. Wichtig ist, dass die Rohlinge das Format MPEG-2 unterstützen. Alternativ müsstest du deine digitalisierte VHS-Kassette auf eine DVD im gewünschten Format brennen.
Eine alte Videokassette vom Profi digitalisieren lassen
Du hast auch die Wahl, die VHS-Kassette von einem Profi digitalisieren zu lassen. Es gibt mittlerweile einige Unternehmen in Österreich, die sich bestens damit auskennen, alte Erinnerungen zu verewigen. Dazu zählen beispielsweise Elektronikfachhändler wie MediaFix oder Media Markt. Selbstverständlich gibt es auch einige kleine lokale Unternehmen.
Und so funktioniert’s:
- Du beauftragst ein Unternehmen deiner Wahl damit, eine alte VHS-Kassette zu digitalisieren. Auf der Website gibst du das gewünschte Zielformat an und zahlst anschließend eine Gebühr per Vorkasse. Je nach Anbieter kostet es dich zwischen 7 und 25 Euro.
- Du verpackst die VHS-Kassette und schickst sie dem Anbieter zu. Alternativ kannst du sie auch vor Ort abgeben.
- Der Anbieter digitalisiert deine VHS-Kassette und schickt sie dir anschließend inkl. der digitalen Version zurück. Je nach Anbieter dauert der gesamte Prozess von wenigen Tagen bis zu 4 Wochen.
Kann ich eine digitalisierte VHS-Kassette noch bearbeiten?
Ja, du kannst eine digitalisierte VHS-Kassette noch nachbearbeiten. Ein Nachteil? Die Nachbearbeitung frisst sehr viel Zeit. Experten sagen: Bei 4 Stunden Videomaterial dauert die Bearbeitung circa 10 Stunden. Da es nur ein grober Richtwert ist – und es von Video zu Video unterschiedlich ausfällt – solltest du dich davon nicht beirren lassen.
Möchtest du noch ein wenig an deiner digitalisierten VHS-Kassette feilschen, benötigst du ein Videobearbeitungsprogramm. Da viele Hersteller bereits kostenlose Programme anbieten, musst du dafür nicht einmal tief in die Tasche greifen. Ein Beispiel wäre DaVinci Resolve. Dieses kostenlose Programm verfügt über Funktionen, die sonst nur kostenpflichtige Programme anbieten oder in der Filmindustrie zum Einsatz kommen. Trotzdem solltest du dich über unterschiedliche Programme informieren.
Drei Tipps: So lagerst du eine digitalisierte VHS-Kassette richtig
Du hast deinen alten Videofilm endlich digitalisiert? Zuletzt geht es darum, die digitalisierte Videoaufnahme für die Zukunft sicher zu verwahren. So kannst du den alten Schinken auch noch in 20 oder 30 Jahren deiner Familie oder Freunden und Bekannten vorspielen. Schließlich gibt es kaum etwas Schöneres, als in alten Erinnerungen zu schwelgen.
So lagerst du deine digitalisierte VHS-Kassette richtig:
- Sicher aufbewahren: Nachdem du deine alten Videos digitalisiert hast, solltest du sie auf ein externes Speichermedium, wie einen USB-Stick oder eine externe Festplatte oder in eine Cloud ziehen. Durch diesen Schritt schützt du deine alten Erinnerungen vor einem Datenverlust.
- Kopien erstellen: Speichere deine digitalisierte VHS-Kassette nicht nur auf einem Medium. Du solltest also mehrere Kopien erstellen und sie an unterschiedlichen Orten aufbewahren. Du kannst etwa eine Kopie in der Cloud aufbewahren und eine externe Festplatte bei Verwandten lassen.
- Regelmäßig prüfen: Schaue regelmäßig nach, ob deine digitalisierten VHS-Kassetten noch einwandfrei laufen. Mit der Zeit kann es nämlich zu Problemen kommen, die du so frühzeitig aus der Welt schaffst.