Saskia ist 12 Jahre alt und besucht in Wien die zweite Klasse eines Gymnasiums. Sie ist nie besonders gerne in die Schule gegangen, hat dort aber ihre Freundinnen, mit denen sie häuftig Zeit verbringt. Grundsätzlich ist sie um eine effiziente Arbeitsweise bemüht. Sie passt in den Stunden auf und tratscht wenig. Es ist ihr wichtig, dass sich der Lernaufwand außerhalb der Schule möglichst in Grenzen hält. Diese Arbeitsweise schlägt sich auch in den großteils mehr als guten Noten wieder. Bereits in der Volksschule hat sie über Antolin und andere Programme online lernen in ihren Alltag sanft integriert.

Als der Corona-Lockdown begonnen hat und die Schulen geschlossen wurden, war Saskia erst einmal froh. Nachdem sie in der Lage ist, selbstständig zu lernen, haben ihr die getrennt lebenden Eltern, die selbst im Home Office arbeiten, in beiden Haushalten gewisse Freiheiten gelassen. Saskia konnte länger aufbleiben, ein wenig länger schlafen und hat sich den Tag recht frei eingeteilt. Großteils hat das ganz gut funktioniert und alle Aufgaben wurden zeitgerecht erledigt. In einzelnen Fällen gab es Ermahnungen durch Lehrer, weil die eine oder andere Aufgabe doch nicht rechtzeitig gemacht wurde. Diese wurde dann nachgeholt.

Vom Telefonieren zum online Lernen

Nach rund zwei Wochen hat Saskia begonnen mit ihren Freundinnen nicht nur in Chats oder auf TikTok zu kommunizieren, sondern auch zu telefonieren. Eine Form der Kommunikation, die offenbar ungewöhnlich für sie war. Es war gut hörbar, dass sie immer wieder nicht wussten, was sie sich erzählen sollen. Sie brauchten eine gemeinsame Beschäftigung und Aufgabe. Und so haben sie begonnen, sich Videokonferenzen einzurichten. Sie haben dann nicht nur via Internet miteinander geplaudert, sondern auch angefangen gemeinsam online zu lernen und Schulaufgaben zu erledigen.

So konnten sie mehrere Vorteile miteinander verbinden: Sie konnten Zeit miteinander verbringen und sich wenigstens auf gewisse Art und Weise sehen. Die Aufgaben der Lehrerinnen und Lehrer wurden gemeinsam erledigt und waren dann auch abgeschlossen. Und schließlich konnten sie tatsächlich stundenlang miteinander in Videokonferenzen online bleiben, ohne dass die Eltern dies unterbanden. Auch wenn allen Beteiligten schnell klar wurde, dass die Schülerinnen wohl nicht nur Aufgaben miteinander erledigten, sondern etwa auch einfache Browsergames miteinander spielten.

Entscheidend ist die Gruppenzusammensetzung

Nun sind die Schulen zumindest teilweise wieder offen. Darauf angesprochen, ob Saskia diese Form des gemeinsamen online Lernens beibehalten will, antwortet sie überraschend verhalten: Sie hatte das Gefühl, mehr zu wissen als ihre Freundin und dieser permanent weiter zu helfen. Während sie selbst sich zwar unterhalten konnte und Spaß dabei hatte, bekam sie aber wenig Hilfe. Gut möglich, dass sie später nochmal in Situationen kommt, in denen sie auf diese Erfahrung zurückgreifen kann und dann in einer anders zusammengesetzten Gruppe doch wieder darauf zurückgreift. Diese Erfahrung kann ihr niemand nehmen. Welche Erinnerungen Kinder von dieser Erfahrung mitnehmen, bleibt aber wohl höchstgradig individuell. LehrerInnen und Eltern könnten aber auch mit dieser Erfahrung arbeiten und Arbeitsgruppen bewusst zusammensetzen.