Orange The World thematisiert Gewalt an Frauen, indem weltweit Gebäude in Orange erstrahlen. Durch die UN Women Kampagne wird diese Problematik in den alltäglichen, gesellschaftlichen Mittelpunkt gerückt. Denn nach wie vor ist Gewalt an Frauen ein globales als auch nationales Thema. Brigitte Maria Soran, Sonderbeauftrage Orange The World und Soroptimist International Austria, beantwortet zum Kampagnenstart die wichtigsten Fragen und erklärt, welche Maßnahmen gegen Gewalt an Frauen in Zukunft notwendig sind.

Was bedeutet Orange The World?

Die Vereinten Nationen haben es sich zum Ziel gesetzt, Gewalt an Frauen zu thematisieren und langfristig dagegen anzugehen. 2015 startete aus diesem Grund die Orange The World Kampagne durch UN Women, der Frauenorganisation der Vereinten Nationen, unter dem damaligen Generalsekretär Ban Ki-moon.

In Österreich wird die Kampagne seit 2017 in einer Kooperation von Soroptimist International Austria, UN Women Austria, Ban Ki-moon Centre Vienna und HeForShe Graz während der „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ umgesetzt. Zwischen dem 25. November, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, und dem 10. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschenrechte, erstrahlen in diesem Sinne herausragende Gebäude in Österreich und weltweit in oranger Farbe und setzen somit ein starkes Zeichen gegen Gewalt an Frauen.

Warum braucht es Orange The World?

Laut UN Women ist weltweit jede dritte Frau im Laufe ihres Lebens von physischer, psychischer und/oder sexueller Gewalt betroffen. Obwohl Gewalt gegen Frauen ein globales und schwerwiegendes Problem darstellt, ist die Datenlage sowohl auf internationaler als auch auf nationaler Ebene noch immer unzureichend. Ein Grund hierfür könnte sein, dass Gewalt – allen voran sexuelle Gewalt – in vielen Gesellschaften nach wie vor ein mit Scham und Angst besetztes Thema ist. Viele Frauen sehen noch immer – oftmals auch aus gesellschaftlichen Gründen – davon ab, gegen sie gerichtete Gewalttaten anzuzeigen oder gar anzusprechen. Es muss also bei der Betrachtung aktueller Zahlen und Fakten von einer hohen Dunkelziffer an Gewaltopfern ausgegangen werden.  

Wie sieht die Situation zu Gewalt an Frauen in Österreich aus?

Auch in Österreich stellt Gewalt gegen Frauen nach wie vor ein großes Problem dar. Allein in den ersten zwei Wochen des Jahres 2019 wurden vier Frauen ermordet. Alle vier Mordopfer standen mit den männlichen Tätern in einem Familien- oder Beziehungsverhältnis. Diese Zahlen sind alarmierend und bilden trotzdem nur die Spitze des Eisberges. 20 Prozent aller österreichischen Frauen ab 15 Jahren waren bereits Opfer körperlicher und/oder sexueller Gewalt. 35 Prozent aller Frauen in Österreich wurden bereits sexuell belästigt.

Welche Hilfestellungen bzw. Einrichtungen gibt es in Österreich?

Es gibt in Österreich verschiedenste Einrichtungen, die den von Gewalt betroffenen Frauen zur Seite stehen. Gewaltschutzzentren, Mädchen- und Frauenberatungszentren oder die Frauenhäuser sind hier Beispiele. Aber auch die in den Krankenhäusern eingerichteten Opferschutzgruppen sind wichtige Partner in der Früherkennung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen. Die MitarbeiterInnen versorgen nicht nur die von Gewalt betroffenen Frauen, sie haben zum Teil auch die Möglichkeit, Anzeige zu erstatten oder der Patientin Informationsmaterial über Beratungsstellen mitzugeben. Daher haben wir heuer auch versucht, die Krankenanstalten in Österreich als Partner für die Kampagne Orange The World“ zu gewinnen. Zu unserer großen Freude beteiligten sich über 60 Krankenhäuser in ganz Österreich und kommen zu einem Vernetzungstreffen am 25. November nach Wien.

Was kann man selbst tun, wenn man Gewalt an Frauen in seinem Umfeld bemerkt? Wie sollte man hier sensibel unterstützen?

70 Prozent aller Gewalttaten an Frauen werden durch den Partner bzw. Ehemann verübt, was ein erhebliches Problem darstellt. Denn besonders bei Tätern aus dem persönlichen Umfeld der Opfer wird Gewalt eher toleriert, bleibt oftmals undokumentiert und ist daher auch schwerer zu erkennen. Die sensible Ansprache des Verdachtes eines Gewaltproblems ist von enormer Wichtigkeit, um dem betroffenen Opfer die Möglichkeit zu geben, Vertrauen aufzubauen und nach gemeinsamen Lösungen zu suchen. Oftmals hilft auch die Information über Organisationen, die für Gewaltopfer Ansprechpartner sind und die ihnen den Weg bereiten können. So kann die Gewaltspirale mithilfe professioneller Unterstützung durchbrochen werden. Auch die Weitergabe von Informationen an Betroffene wie beispielsweise Notrufnummern ist manchmal ein erster Schritt.

Was braucht es in Zukunft für gesellschaftliche bzw. politische Maßnahmen, um die Situation zu verbessern?

Es braucht Bewusstseinsbildung. Gerade hier versuchen wir mit Orange The World die Gesellschaft aufzurütteln und zur bewussten Wahrnehmung des Gewalt-Problems in unserer globalen Gesellschaft aufzufordern.

Um die Arbeit gegen die Gewalt an Frauen noch effizienter und besser gestalten zu können, wären weitere finanzielle Ressourcen für den flächendeckenden Ausbau von Gewaltschutzzentren und Frauenhäusern dringend nötig. Aber auch die Einrichtung von landes- und/oder bundesweiten Koordinierungsstellen für Opferschutzgruppen in Krankenhäusern wäre ein wichtiges Anliegen. Häusliche Gewalt und Gewaltprävention sind derzeit nur peripher oder unzureichend in den Curricula der Gesundheitsberufe verankert. Die Erfahrungen von ExpertInnen zeigen, dass die Verbesserung der Versorgung gewaltbetroffener Frauen nur dann gelingen kann, wenn die Öffentlichkeit hinsieht und die politisch Verantwortlichen in die Pflicht nimmt.

Zum Schluss: Warum die Farbe Orange?

Die Farbe Orange steht für eine hellere, bessere und positive Zukunft. Sie soll Licht und Wärme versinnbildlichen und Hoffnung für die Möglichkeit zu gewaltfreiem Leben aufzeigen.

Über Soroptimist International

Die Organisation ist ein lebendiger, dynamischer Serviceclub für berufstätige Frauen von heute. Sie ist in 132 Ländern aktiv und umfasst derzeit weltweit bereits 80.000 Mitglieder. Durch Bewusstmachen und Umsetzen (awareness, advocacy, action) schafft sie Möglichkeiten, das Leben von Frauen und Mädchen mit Hilfe ihres globalen Netzwerkes positiv zu verändern. Die Ziele von Soroptimist sind: Verbesserung der Lebenssituationen von Frauen und Mädchen, hohe ethische Werte, Menschenrechte für alle und Förderung von Gleichheit, Entwicklung und Frieden.
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