Schauplatz Mülltrennung in Österreich: 85 % der Österreicherinnen und Österreicher sehen in der Mülltrennung ihren wichtigsten Beitrag zum Umweltschutz. Solautet das Fazit einer repräsentativen Studie aus 2018 des Verbands Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB). Die Befragten geben an, gewissenhaft ihren Abfall zu trennen und sagen, dass Recycling wichtig und sinnvoll ist.

Zählt Mülltrennung tatsächlich zu den wichtigsten persönlichen To-Dos für die Umwelt? Die United Nations stellen mit ihrer Klimawandel-Kampagne ActNow 10 Themen vor, mit denen jede Person individuell zum Umweltschutz beitragen kann: zu regionalem Gemüse oder Obst statt zu tierischen Produkten greifen, Stromsparen durch Licht abdrehen, bewusster Umgang mit Wasser beim Duschen, mehr Wege zu Fuß oder mit dem Rad statt mit dem Auto zurücklegen und auch Mülltrennung bzw. Recycling.

Mülltrennung bei jungen Menschen out?

Beim Thema Mülltrennung gibt es eine deutliche Diskrepanz zwischen jungen und älteren Leuten. Nur 26 % der jungen Leute erachten Recycling als wichtig und achten genau auf die ordnungsgemäße Mülltrennung. Hinzu kommt, dass jüngere Leute oft über eine sorgfältige Mülltrennung nur wenig Bescheid wissen. Nur jede vierte Person unter 30 in Österreich ist sich sicher, welcher Abfall in welche Mülltonne gehört.

Es braucht demnach verstärkt Information und Bewusstseinsbildung zu zwei Punkten: Abfälle sind wichtige Rohstofflieferanten – Mülltrennung macht einen Unterschied für meine Umwelt. Und letztendlich sollte die Umsetzung nicht an zu wenig Wissen scheitern. Barrieren und Komplexität sollten beim Thema Mülltrennung abgebaut werden. Denn oft ist Mülltrennung nicht selbsterklärend wie folgende Beispiele zeigen: Plastikflaschen und Kunststoffverpackungen sollen flach gedrückt in die gelbe Tonne bzw. in den gelben Sack geworfen werden – andere Kunststoffabfälle wie Spielzeug oder Gartengeräte jedoch nicht. Nur restentleerte Dosen und andere Metallverpackungen (z. B. aus Aluminium und Weißblech) dürfen in die Metallsammlung – Elektrogeräte müssen draußen bleiben.

Ein Beispiel der Stadt Wien zeigt, wie es gehen kann. Zukünftig werden Plastikflaschen, Getränkekartons und Metall in einer Tonne gesammelt. Die Sammelmenge soll so gesteigert, LKW-Fahrten eingespart und Fehlwürfe vermieden werden.

Digitale Mülltrennung: Smart Waste hilft

Auch Technologien, die miteinander im Internet-der-Dinge (IoT) kommunizieren, können bei den genannten Herausforderungen helfen. Beim heimischen Entsorgungs- und Recyclingunternehmen Saubermacher ist bereits die vernetzte Mülltonne im Einsatz, die sich selbständig meldet, um abgeholt zu werden und so die Planung von LKW-Fahrten optimiert.

©Saubermacher Dienstleistungs AG | vernetzte Mülltonne

Gerade als Pilot am Start ist der Einsatz spezieller Sensoren in Kombination mit Künstlicher Intelligenz. Zusammen ergeben diese einen Wertstoff-Scanner, der die Trennqualität im Restmüll misst. Das Feedback in Form von Smileys wird direkt über das Magenta Mobilfunknetz per SMS oder App an die Haushalte geschickt. Bei Mehrparteienhäusern wird es auch auf einem Digitalen Brett von Magenta dargestellt. Die ersten Versuche zeigen, dass es dadurch zu bis zu 80 % weniger Fehlwürfen kommt. Das Beispiel veranschaulicht, wie smarte Technologien gewünschtes Verhalten – in dem Fall ordnungsgemäße Mülltrennung – direkt belohnen und positiv verstärken.

Das Digitale Brett ist zudem ein digitales Helferlein im Stiegenhaus. Es bietet Informationen wie den aktuellen Fahrplan von öffentlichen Verkehrsmitteln, das Wetter oder Kurznachrichten. Mögliche Features für die Zukunft: Das Feedback könnte nicht nur Informationen zur Trennqualität bieten, sondern z. B. auch für junge Leute Tipps beinhalten, welcher Müll in welche Tonne gehört.

Mülltrennung
©Saubermacher Dienstleistungs AG | Wertstoff-Scanner

Ein Gedankenexperiment wie Mülltrennung in Zukunft aussehen könnte: Damit Mülltrennung im Alltag von möglichst vielen Personen ankommt, sollte sie möglichst selbsterklärend sein und kaum Vorwissen voraussetzen wie die Studie gezeigt hat. Vielleicht haben wir in Zukunft Müllbehälter, die uns direkt Feedback geben, ob man beispielsweise die Dose gerade in die ordnungsgemäße Mülltonne wirft. Oder wir halten den Abfall vor einen Scanner, der uns dann zum richtigen Mistkübel anweist.

Abfall ist wichtiger Rohstofflieferant

Primär gilt es, Müll grundsätzlich zu vermeiden. Nicht immer lässt sich das umsetzen. Bereits verwendete Rohstoffe werden daher idealerweise im Verwertungskreislauf gehalten. Durch Recycling lassen sich also Ressourcen effizient und nachhaltig nutzen.

An dem Image als Rohstofflieferant müssen Abfälle in Österreich noch in allen Altersklassen nachschärfen: Nur ein Drittel aller Befragten sehen in Österreich beim Thema Mülltrennung Abfälle als wichtigen Rohstofflieferant.

Dieses Ziel verfolgt auch das beschlossene EU-Kreislaufwirtschaftspaket, das sich vor allem auf Kunststoffverpackung konzentriert. Bis 2025 soll sich demnach das Recycling von Kunststoffverpackungen in Österreich verdoppeln.