In einem Chat über Gefühle und Beschwerden zu sprechen ist bestimmt nicht jedermanns oder jederfraus Sache. Die Kürze des Mediums Chat scheint den Platz für die gesamte Bandbreite an Gefühlen zu sehr zu verknappen, eröffnet aber gleichzeitig sehr viel – oder zu viel – Raum für Interpretation. Die Macher der App Instahelp glauben aber trotzdem daran, dass Online-Beratungen normale Therapiesitzungen ergänzen oder sogar ersetzen können. Schließlich sind Therapieplätze oft rar und mit sehr langen Wartezeiten verbunden. Engpässe, die sich mithilfe von Apps wie Instahelp möglicherweise abschwächen lassen. Die App gehört zu einem Start-up, das schon 2015 in Österreich gegründet wurde und konzentriert sich vor allem auf die präventive Behandlung, also das Beseitigen von Problemen, bevor diese richtig groß werden. Als Therapie dürfen die Gespräche auch deshalb nicht bezeichnet werden, weil es, im Gegensatz zu den USA, in Österreich noch nicht erlaubt ist Therapie online zur Verfügung zu stellen. Je nach Problemstellung leiten die „Ersthelfer“ im Netz die Anrufer und Anruferinnen dann gegebenenfalls auch an Gesundheits- oder klinische Psychologen weiter.

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In nur wenigen Klicks zur Beratung

In einem Interview mit Trending Topics erklärt Instahelp-Geschäftsführerin Bernadette Frech, dass viele die App zwar komplementär nutzen, sie aber trotzdem eine ganz neue Zielgruppe anspricht, nämlich eine sehr online-affine, die genau diesen flexiblen Zugang zu einer Beratung zu jeder Zeit an jedem Ort sucht. Der Zugang zur Beratung soll dabei möglichst einfach und niederschwellig gehalten werden: Kommt man auf die Plattform, erhält man innerhalb von zwei Minuten eine Reaktion. Es geht dabei darum herauszufinden, wer der Besucher ist und welcher Psychologe oder welche Psychologin zu seinem oder ihrem Anliegen passt. Daraus werden dann Vorschläge ermittelt aus denen dann ein Berater oder eine Beraterin ausgewählt werden kann, dafür ist dann nur noch ein weiterer Klick notwendig. Neben der Kommunikation über Chat ist auch Videotelefonie möglich. Zur Wahrung der Anonymität verzichten aber etwa 70 Prozent der Anrufer auf Video. Bei der Wahl der Psychologen achtet das Team rund um Frech auf ein bestimmtes Qualitätsniveau: Die im Pool der App versammelten Psychologen und Psychologinnen haben alle eine postgraduale Ausbildung hinter sich, mindestens vier Jahre Berufserfahrung und eine Zusatzqualifikation im Bereich der Online-Beratung.

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Klare Tendenzen

Seit der Gründung im Jahr 2015 wurden mehr als 20.000 Kunden beraten. Zu den drei häufigsten Beratungsthemen zählen die Bereiche Partnerschaft, Lebensorientierung und depressive Verstimmung. Auch bezüglich der Uhrzeit zeichnet sich eine klare Tendenz hab: So werden, Frech zufolge, die meisten Nachrichten an die Psychologen ab 17 Uhr geschrieben – eine Zeit, die außerhalb der klassischen Praxiszeiten liegt. Ebenfalls ein Grund dafür, dass der Bedarf an alternativen Beratungsmethoden gegeben ist. Auch große Unternehmen zählen zu den Kunden, da sich mittlerweile einige dazu entschließen, ihren Mitarbeitern kostenlose Accounts bei „Instahelp“ zur Verfügung zu stellen. Wieso sollte es nicht auch, neben dem Abo im Fitnessstudio, ein Anbot zur Förderung der geistigen Gesundheit geben?

Kritik

Kritik kam in erster Linie aus den Reihen jener Psychologen, die mit Online-Beratung nichts anfangen können. So sei unter anderem dafür zu sorgen, dass mit aller Deutlichkeit darauf hingewiesen wird, dass die Online-Beratung nicht für akute Krisen oder psychische Erkrankungen wie schwere Depression geeignet ist. Auch dem Verzicht auf Face-to-Face-Situationen stehen viele eher skeptisch gegenüber. Da viele Kunden, aus Gründen der Anonymität, auf den Videochat verzichten, wäre es schwierig das Innenleben der Person richtig zu deuten. Der Beziehungsaspekt, der „richtiger“ Therapie innewohnt, ginge durch das fehlende Bild zur Person komplett verloren. Auch in der geringen Hemmschwelle, die in erster Linie natürlich als Vorteil gewertet werden muss, erkennen Kritiker gewissen Probleme: Durch die Einführung eines weiteren Kommunikationskanals der nur online stattfindet, fördere die App soziale Isolation. Da viele dieser Bedenken durchaus nachvollziehbar sind, bleibt schließlich nur noch der Schluss, dass Apps wie Instahelp ein guter erster Schritt in die richtige Richtung sein können. Wurden aber bereits sehr viel Kilometer in die falsche Richtung zurückgelegt, sollte man sich begleitend dazu aber eher nach einem Therapietermin umsehen.