Am 2. April findet der Welt-Autismus-Tag statt, an dem eine weltweite Sensibilisierung zum Thema Autismus erreicht werden soll. In Österreich leben ca. 80.000 Menschen mit Autismus, davon hat rund jeder Dritte das Asperger-Syndrom. Was gilt es zum Welt-Autismus-Tag zu wissen?

Welt-Autismus-Tag: Zeit für Aufklärung

Diese Gruppe besitzt oft spezielle Talente, die von Unternehmen gesucht werden, jedoch auf den ersten Blick verborgen bleiben: hohe Konzentrationsfähigkeit, eine Null-Fehler-Toleranz, einhergehend mit großer Genauigkeit sowie logisch-analytischem Denkvermögen. Gerade tendenziell repetitive oder sehr logisch-analytische Aufgaben, die sehr viel Genauigkeit erfordern und hohen Qualitätsanspruch haben – Aufgaben, wo andere MitarbeiterInnen schnell ermüden – sind für Menschen mit Asperger-Syndrom ideal geeignet. Trotz all dieser Fähigkeiten sind 80 Prozent der Menschen arbeitslos, denn bei einem Vorstellungsgespräch treten andere Eigenschaften in den Vordergrund: variierende Schwäche in der sozialen Interaktion und in den Kommunikationsfähigkeiten.

T-Mobile und Welt-Autismus-Tag

T-Mobile kooperiert seit 2015 mit Specialisterne, einem Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, dass Menschen mit Asperger-Syndrom entsprechend ihren Qualifikationen Arbeit finden.

Sarah arbeitet seit 2017 als Data Analyst bei T-Mobile. Sie hat ein Studium der Rechtswissenschaften absolviert und ist ein großer Japan-Fan. Seit 2012 studiert sie in ihrer Freizeit Japanologie. Der 0676 Blog hat Sarah zu einem Interview gebeten.

Wie schwierig war es für dich, einen Job zu finden?

Sehr schwierig. Ich habe über Jahre hinweg versucht, einen geeigneten Job für mich zu finden. Ich konnte nach Abschluss meines Jus-Studiums ein Gerichtsjahr absolvieren. Diese Erfahrung hat mir verdeutlicht, dass ich in einem herkömmlichen Arbeitsumfeld völlig überfordert bin. Simple Dinge wie ein Telefonat haben mich komplett aus dem Konzept gebracht. Das hat zu Verwirrungen, Missverständnissen und Fehlern geführt. Obwohl mir viele Aspekte meiner Arbeit bei Gericht/bei der Staatsanwaltschaft sehr gut gefallen haben, war es für mich unvorstellbar, längerfristig einer solchen Arbeit nachzugehen. Ich habe natürlich trotzdem versucht, einen Job in der Rechtsbranche oder im Verwaltungsbereich zu finden. Leider hatte ich gravierende Probleme während meiner Vorstellungsgespräche. Ich bin trotz eingehender Vorbereitungen mit der Interviewsituation nicht wirklich klargekommen. Die einzige Arbeit, der ich immer schon ohne Probleme nachgehen konnte, ist meine Lektorat-Tätigkeit. Das habe ich allerdings immer nur privat gemacht.

Du hast Jus und Japanologie studiert, wie kommt man da in eine IT-Abteilung von T-Mobile?

Das ist eine gute Frage. Ich hätte definitiv niemals damit gerechnet, dass ich einmal in einer IT-Abteilung arbeiten würde. Als mir dieser Job zum ersten Mal vorgeschlagen wurde, hatte ich viele Zweifel. Warum gerade ich? Gibt es nicht besser-qualifizierte Leute? Kann ich mit dem Thema überhaupt irgendetwas anfangen? Bin ich einer solchen Arbeit gewachsen? Unzählige Fragen gingen mir durch den Kopf. Das Team von Specialisterne hatte die Überzeugung, dass ich für die Arbeit bei T-Mobile geeignet wäre Daher entschied ich mich, dem Ganzen eine Chance zu geben. Während eines Schnuppertages konnte ich einen Einblick in meine derzeitige Arbeit gewinnen. Auf Anhieb hat mich der Recherche-Aspekt der Arbeit angesprochen. Zudem hatte man mir eingangs gesagt, dass dieser Job einer gewissen Hartnäckigkeit bedürfte. Ich bin von Natur aus sehr hartnäckig, das hat mich also neugierig gemacht. Ich wollte die Herausforderung annehmen, auch wenn ich mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wirklich im Klaren darüber war, was mich erwartete.

Wann wurde bei dir die Diagnose gestellt und was hat sich seitdem für dich verändert?

Im Winter 2016 habe ich meine Diagnose (Asperger-Syndrom) erhalten. Die Diagnose zu erhalten, war eine sehr positive Erfahrung für mich. Zum einen haben viele Dinge in meinem Leben auf einmal einen Sinn ergeben: diverse Verhaltensweisen, die immer wieder auftretende Probleme. Zum anderen hat mir die Diagnose ermöglicht, den AMS-Kurs „Talenteschmiede“ zu besuchen. Nach einer Clearingphase kam ich in die engere Auswahl und hatte die Gelegenheit, sowohl Modul 1, die Aktivierung- und Berufsorientierung, als auch Modul 2, die fachspezifische Weiterbildung des Kurses zu belegen. Dabei konnte ich mir sehr viel Wissen in den Bereichen Qualitätssicherung und IT aneignen. Durch die Jobvermittlung von Specialisterne wurde mir dann ein Job bei T-Mobile angeboten.

Was sind deine besonderen Stärken und wie hilft dir deine autistische Wahrnehmung bei deiner täglichen Arbeit?

Ich habe eine Liebe zum Detail und kann über einen langen Zeitraum einer repetitiven Tätigkeit nachgehen, ohne müde oder ungenau zu werden. Dieses fokussierte und intensive Arbeiten ist gerade bei meiner Tätigkeit als Data Analyst im Bereich Incidentmanagement sehr von Vorteil. Es gibt mir die Möglichkeit hartnäckig an einem Thema dranzubleiben, bis ich die Ursache eines Problems gefunden habe. Die Unmengen an Informationen, mit denen ich täglich konfrontiert werde, kann ich aufgrund meines guten Gedächtnisses schnell verarbeiten und abspeichern.  Mein präzises Wahrnehmungsvermögen hilft mir, Fehler schnell zu identifizieren.

Welche Hürden hast du auf aufgrund deiner Diagnose, die du täglich meistern musst bzw. wo sollte dein Umfeld, wie deine Kolleginnen und Kollegen Rücksicht nehmen?

Soziale Interaktionen (Gespräche, Telefonate, Meetings) bereiten mir große Probleme. Mein Verhalten führt leicht zu Missverständnissen und kann des Öfteren auch als unhöflich interpretiert werden. In größeren Gruppen fühle ich mich sehr unwohl. Ich kann nur sehr schlecht mit Veränderungen umgehen. Zudem benötige ich ein strukturiertes Arbeitsumfeld mit konkreten Arbeitsanweisungen. Meine Kollegen geben sich viel Mühe, mein Verhalten zu verstehen. Durch ein gemeinsames Coaching konnten sie einen Einblick in meine Persönlichkeit gewinnen und können nun viele meiner Verhaltensweisen besser nachvollziehen. Ich weiß es sehr zu schätzen, dass ich immer wieder gefragt werde, ob alles in Ordnung ist oder ob es irgendetwas gibt, worüber ich reden möchte.

Du bist seit fast zwei Jahren für T-Mobile tätig. Was hat sich seitdem für dich verändert?

Einfach alles. Das ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich eine feste Anstellung habe. Dieses Gefühl von Sicherheit und Stabilität hat meine Lebensqualität enorm verbessert. Zu wissen, dass man einer sinnvollen Tätigkeit nachgeht, dass die eigene Arbeit wertgeschätzt wird, dass man einen Beitrag leisten kann, das ist für mich eine komplett neue Erfahrung und es fühlt sich gut an. Ich fühle mich im Unternehmen – und besonders in meinem Team – sehr gut aufgehoben. Meine Kollegen haben mich vom ersten Tag an mit offenen Armen empfangen und mir das Gefühl gegeben, dass ich ein vollwertiges Mitglied des Teams bin. Ich kann es nicht erwarten, im Mai offiziell übernommen zu werden.

Wie ist es bei T-Mobile Austria zu arbeiten? Mehr Informationen dazu auf unserer Karriere-Website.

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