Der Google-Navigationsdienst Google Maps ist zu einem ständigen Begleiter geworden. Viel mehr noch: Der Navigationsdienst begleitet nicht einfach nur, er leitet alle, die sich hin und wieder etwas verloren fühlen, durch kleine Gassen und über breite Autobahnen. Während der Dienst alle Autofahrer und Autofahrerinnen auf der Suche nach ihrem Ziel bislang reibungslos unterstützte, war es als Fußgänger nicht immer leicht sich mithilfe von Google Maps zurechtzufinden. Obwohl die Route anzeigt wird, kommt es nämlich dennoch häufig vor, dass man sich zunächst erstmal in die falsche Richtung läuft. Mit einer neuen AR-Funktion möchte Google Fußgänger leichter zu ihrem Ziel führen, indem die Route im Kamerasucher dynamisch als Layer angezeigt wird. Kernelement bleibt natürlich die Positionsfindung per GPS, zusätzlich setzt Google bei der AR-Funktion aber auch Daten aus Streetview und Maps ein. Auch Smartphone-Kamera und Computervision, ein Feature das auch bei Google Lens genutzt wird, helfen dabei. Mithilfe der Kamera setzt Google außerdem ein Visual-Positioning-System (VPS) ein, das zur besseren Lokalisierung sichtbare Wahrzeichen heranzieht. Dadurch soll der eigene Standort präziser angezeigt werden können. Seine Augmented-Reality-Schnittstelle hat Google, in Form der Google Lens-App, ja bereits vor einiger Zeit veröffentlicht. Die Google-Maps-AR-Navigation für Fußgänger wurde schon auf der Entwicklerkonferenz Google I/O 2018 demonstriert und stellt für das Unternehmen definitiv den nächsten Schritt dar um AR noch stärker in seine Dienste einfließen zu lassen.

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Die Funktion im Test.

Die Funktion im Test

David Pierce, Redakteur beim renommierten Wall Street Journal, war einer der ersten, der die neue Google Maps-Funktion testen durfte. Wie er in seinem Bericht festhält, muss die Funktion, nach Eingabe der Zieladresse, über einen Tap auf den „Start AR“-Button erstmal aktiviert werden. Als Folge dessen wird die Kamera des Smartphones gestartet und ein AR-Layer über den Sucher gelegt, darunter aber weiterhin eine kleine Kartenansicht der Route angezeigt. Die Umgebung wird dann, mithilfe von Computervision, genau unter die Lupe genommen, um so nach bekannten Wahrzeichen Ausschau zu halten und die eigene Position festzulegen. Daraufhin werden spezifische Anweisungen in Form von Pfeilen und Symbolen angezeigt, die deutlich machen wo der weitere Weg hinführt. Um nicht mit Passanten, Laternen oder Verkehrsschildern zusammenzustoßen, weist die App, während des Gehens darauf hin, das Smartphone unbedingt aus dem Blickfeld zu nehmen. Nimmt man das Smartphone daraufhin etwas nach unten, wird die Standard-Kartenansicht angezeigt, die auch um einiges weniger Energie als die AR-Funktion verbraucht. Als Fazit gibt Pierce an, dass durch das Zusammenspiel der Ortungsmechanismen Positionen viel genauer angezeigt werden können. Er geht außerdem davon aus, dass die AR-Karte nicht nur fürs Smartphone, sondern künftig auch für andere Devices wie zum Beispiel bei Navigationshilfen in Autos oder bei AR-Brillen eingesetzt wird. Auch Nick Bastone von der Plattform Business Insider durfte das neue Feature bereits testen. Prinzipiell davon begeistert, hebt er hervor, dass die AR-Funktion dann am besten funktioniert, wenn das Smartphone auf permanente Strukturen, wie Häuser oder Shops gerichtet ist. Bäume oder Büsche, die je nach Jahreszeit ihre Fom und Farbe verändern, sind nicht so gut geeignet und können die App verwirren. Aktuell ist die neue Google-Maps-Funktion exklusiv ausgesuchten Teilnehmern des Local-Guides-Programms vorbehalten. Wann Google das Feature flächendeckend für alle User zur Verfügung stellt, ist nicht bekannt.

Pendeln besser machen

Aber auch all jene die häufiger mit dem Auto als zu Fuß unterwegs sind, hat Google in letzter Zeit nicht im Stich gelassen. So wurde vergangenen Herbst ein Pendler-Tab vorgestellt, das Zugang zu Live-Verkehrsdaten liefert. Im Zuge dessen klärt Maps darüber auf, ob der Weg innerhalb des normalen Zeithorizonts bewältigt werden kann oder mehr Zeit in Anspruch nehmen wird. Ist das tatsächlich der Fall so werden Alternativrouten angeboten. Auch wer lieber zweigleisig fährt, wird von Google berücksichtigt. So werden seit einiger Zeit kombinierte Strecken aus Auto und Bahn je nach Verkehrslage und den Abfahrtzeiten öffentlicher Verkehrsmittel addiert und daraus geschätzte Ankunftszeiten errechnet. Zudem sollen auch die tatsächlichen Abfahrtzeiten öffentlicher Verkehrsmittel klarer ersichtlich sein – verschwitztes Ankommen am Bahnhof, nur um dann zu sehen, dass der Zug wieder einmal Verspätung hat, soll damit nicht mehr vorkommen.