Ihre ersten Gehversuche in der industriellen Fertigung hat die 3D-Drucktechnologie längst hinter sich. Sieht man sich Projekte, wie den von Adidas entwickelten Laufschuh aus dem 3D-Drucker an, scheint in Punkto innovativer Weiterentwicklung alles wie am Schnürchen zu laufen. Doch nicht nur im Bereich der Sportmode geht es in großen Sprüngen voran, auch in der Fertigung von Gebäudeteilen, wird der 3D-Druck künftig wohl eine noch größere Rolle spielen. So arbeitet das österreichische Unternehmen „Doka Ventures“ momentan an der Entwicklung großer 3D-Drucker mit, die künftig innerhalb von nur wenigen Tagen ganze Notunterkünfte für Menschen in Not ausdrucken können. Neben einigen etwas kurioseren Beispielen aus der Welt des 3D-Drucks, wie der Ausstattung der päpstlichen Schweizergarde mit neuartigen, im 3D-Druck-Verfahren hergestellten Helmen, gelingen durch technologische Ansätze dieser Art auch beeindruckende Fortschritte in der Medizin. So ist es Wissenschaftlern der Universität Newcastle bereits gelungen, Hornhaut mithilfe eines 3D-Druckers herzustellen. Damit könnten Hornhaut-Transplantationen nicht nur entscheidend verbessert, sondern auch in höherer Frequenz durchgeführt werden.

Wer zuletzt staunt …

Viele der oben beschriebenen Entwicklungen lösen zwar immer noch Erstaunen aus, insgesamt hat man sich an Nachrichten über die Ausweitung dieser neuen Verfahrensweisen aber schon gewöhnt. Etwas anders ist es jedoch noch, wenn es dabei um Lebensmittel geht. Die Vorstellung ein Gerät im eigenen Haushalt zu haben, das auf Knopfdruck jedes Gericht auf für viele undurchschaubare Wiese generiert, schafft gleichzeitig Faszination und Erschrecken.

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Vor allem wenn dann, wenn man das Zukunftsszenario noch etwas weiter spinnt: Der müde Mensch von morgen steht in der Früh auf, die Hand wird auf ein Messgerät gelegt, damit dieses innerhalb kürzester Zeit seinen Stoffwechsel erfasst. Das Analyseprotokoll wird dann an den Lebensmitteldrucker weitergeleitet. Je nach Mangel, kann anschließend das perfekte Frühstück zusammengestellt werden. Morgenmuffel werden bei dieser Vorstellung vermutlich zufrieden aufatmen und sich nochmal zur Seite drehen. Das Vertrauen darin, dass ein unbelebter Gegenstand, wie ein Drucker, dazu in der Lage ist, Lebensmittel herzustellen, muss vielerorts trotzdem erst geschaffen werden. Anfänglich noch ein Projekt der NASA, gibt es mittlerweile schon einige Firmen, die sich mit dieser Technologie beschäftigen und damit begonnen haben sie für sich nutzbar zu machen. Ein zugegeben etwas schwierig vorstellbares Konzept, welches in Wahrheit aber auf denselben Verfahrensweisen beruht, wie sie auch herkömmliche Tintenstrahl- oder 3D-Drucker beherrschen: Um eine Idee in ein fertiges, angreifbares Produkt umzuwandeln braucht es zunächst einfach einen Computer, der mit der dafür notwendigen Applikation ausgestattet ist und so nach bestimmten Vorgaben arbeiten kann.

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Zu Beginn waren mehrheitlich auf die Herstellung von Zuckerpapier spezialisierte Lebensmitteldrucker im Einsatz. Danach galt lange Zeit der Pizzadrucker als größte Innovation, denn damit ließ sich plötzlich eine ganze Pizza künstlich herstellen. Die momentan, vor allem in der Gastronomie eingesetzten Lebensmitteldrucker arbeiten mit unterschiedlichen Verfahren und Materialien – manche mit Pasten, andere mit Pulver. Der Grundgedanke ist jedoch immer der gleiche – es geht um personalisierte Ernährung, die vollkommen auf den Stoffwechsel eines einzelnen Menschen abgestimmt ist. Seine Intelligenz kann der Lebensmitteldrucker deshalb auch erst dann ausspielen, wenn er durch das IoT mit Messgeräten verbunden wird, welche die nötigen Infos an den Drucker weitergeben. Hier kommt auch die smarte IoT-Toilette wieder ins Spiel, doch das ist eine andere Geschichte. Das soll jedoch nicht das Ende sein: Noch vor dem Jahr 2027 soll es möglich sein, Lebensmittel herzustellen, die perfekt auf das genetische Profil einer bestimmten Person abgestimmt sind. In Forschungslaboren wird bereits an Prototypen gearbeitet.

Auswirkungen auf die globale Ernährung

Wird der Lebensmitteldrucker mit all den anderen Entwicklungen im 3D-Druck verglichen, kommt es durchaus vor, dass er gelegentlich etwas belächelt wird. Schließlich werden hier nicht gleich ganze Häuser aus dem Boden gestampft und auch keine künstlichen Hornhäute erzeugt, sondern Kartoffelpüree, Pizzen oder Marzipan. Die Leistungsfähigkeit der Drucker ist momentan noch eher als sinnvolle Ergänzung einzustufen, die in Gastronomiebetrieben die Herstellung mancher Speisen durchaus vereinfachen kann. Denkt man an größere und ausgefeiltere Geräte, wie den Pizzadrucker, wird jedoch klar, dass noch sehr viel mehr Potenzial in den Geräten steckt. Wird es möglich Grundzutaten so zu kombinieren, dass auf längere Sicht Nahrungsmittel produziert werden können, die es ansonsten nur in lokal und regional begrenzter Form gibt, könnten die Drucker großen Einfluss auf die globale Ernährung nehmen.

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