Die Deutsche Telekom, Mutter von T-Mobile Austria, stärkt ihr amerikanisches Geschäft: T-Mobile US Inc. und Sprint Corp. legen in einem reinen Aktientausch ihre Unternehmen zusammen. Eine entsprechende Vereinbarung haben die beiden amerikanischen Unternehmen sowie ihre jeweiligen Mehrheitsaktionäre Deutsche Telekom (62 Prozent an T-Mobile US) und Softbank K.K. (83 Prozent an Sprint) jetzt abgeschlossen. Der Wert des neuen Unternehmens (Enterprise Value) beträgt rund 150 Mrd. US-Dollar, die erwarteten Synergien haben einen Barwert von rund 43 Milliarden US-Dollar.

„Das ist ein ganz außergewöhnlicher Deal: Die Deutsche Telekom stärkt damit ihre Präsenz in den führenden Märkten der westlichen Welt“, sagt Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom. „Kein anderes Unternehmen der Branche ist in den USA und Europa so stark vertreten wie wir. 90 Prozent des Umsatzes kommen aus Ländern mit besonders starken volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Die Deutsche Telekom profitiert vom Wachstum auf beiden Seiten des Atlantiks.“

Die neue, größere T-Mobile US hat rund 127 Millionen eigene Kunden und einen Umsatz von rund 76 Milliarden Dollar auf Basis der für 2018 erwarteten Zahlen. Sie liegt damit künftig auf Augenhöhe mit den beiden landesweiten Wettbewerbern AT&T und Verizon, die überproportional hohe Anteile an der Summe der Ergebnisse und Free Cashflows aller amerikanischen Mobilfunk-Unternehmen erwirtschaften.

T-Mobile US will die kundenorientierte Uncarrier-Strategie der vergangenen Jahre mit der erhöhten Schlagkraft des größeren Unternehmens forcieren und fortsetzen. Davon sollen die Kunden einerseits durch sinkende Preise profitieren. Zum anderen kann die größere T-Mobile mit den stärkeren finanziellen Ressourcen und ihrer umfassenden Spektrum-Ausstattung die 5G-Technologie schneller und besser ausrollen, als dies den beiden Unternehmen T-Mobile US und Sprint jeweils allein möglich wäre. Dabei will man in Zukunft auch auf Kombiprodukte aus Festnetz- und Mobilfunk setzen, mit denen die Deutsche Telekom in Europa schon sehr erfolgreich ist.

In der Vereinbarung der vier Unternehmen ist vorgesehen, dass T-Mobile US alle Sprint-Anteile in einem Aktientausch übernimmt. Für jeweils 9,75 Sprint-Anteile erhalten deren Aktionäre eine neue Aktie der T-Mobile US. Die Zahl der ausgegebenen T-Mobile US-Aktien steigt dadurch von rund 865 Millionen auf rund 1,29 Milliarden Aktien (voll verwässerte Aktien). Eine bare Zuzahlung ist nicht vorgesehen. Die Transaktion ist damit so ausgestaltet, dass kein Kapital aus den beteiligten Unternehmen abfließt.

Die T-Mobile US-Aktien liegen aktuell zu 62 Prozent bei der Deutschen Telekom. An Sprint ist Softbank zurzeit mit rund 83 Prozent des Kapitals beteiligt. Die übrigen Anteile der beiden amerikanischen Unternehmen liegen jeweils bei freien Aktionären. Nach Abschluss der Transaktion hält die Deutsche Telekom rund 42 Prozent der T-Mobile-Aktien. Weitere rund 27 Prozent liegen dann bei Softbank. Die verbleibenden rund 31 Prozent der T-Mobile US-Aktien halten freie Aktionäre.

Darüber hinaus schließen Softbank und Deutsche Telekom eine Stimmrechtsvereinbarung ab. Diese sichert der Deutschen Telekom weitreichende Mehrheitsrechte bei der Festlegung des Abstimmungsverhaltens der T-Mobile US-Anteile im Bestand von Softbank. Somit hat die Deutsche Telekom mittelbar und unmittelbar Zugriff auf Stimmrechte für insgesamt 69 Prozent der T-Mobile US-Aktien.

Sprint President Michel Combes, from left, T-Mobile CEO John Legere, Sprint CEO Marcelo Claure, and T-Mobile President and COO Mike Sievert enjoy a laugh as they announce the two companies will come together, creating thousands of American jobs, boosting economic growth and supercharging 5G on Sunday, April 29, 2018 in New York. (Charles Sykes/AP Images for T-Mobile and Sprint)
Sprint President Michel Combes, from left, T-Mobile CEO John Legere, Sprint CEO Marcelo Claure, and T-Mobile President and COO Mike Sievert enjoy a laugh as they announce the two companies will come together, creating thousands of American jobs, boosting economic growth and supercharging 5G on Sunday, April 29, 2018 in New York. (Charles Sykes/AP Images for T-Mobile and Sprint)

Die Deutsche Telekom kann nach der Vereinbarung neun von 14 Mitgliedern des Board of Directors festlegen, darunter mindestens zwei unabhängige, konzernexterne Vertreter. Das nach Abschluss der Transaktion deutlich größere Unternehmen soll auch künftig von John Legere geführt werden, der ebenfalls Mitglied im Board of Directors ist. Er leitet bereits heute als Chief Executive Officer die T-Mobile US. Als Chairman of the Board ist auch für das größere Unternehmen Timotheus Höttges vorgesehen. Diese Position in amerikanischen Unternehmen ist vergleichbar mit der des Aufsichtsratsvorsitzenden in deutschen Aktiengesellschaften.

Durch diese Verteilung der Anteile der T-Mobile US und die klaren Regelungen zur Unternehmensführung kann die Deutsche Telekom T-Mobile US auch künftig vollkonsolidieren.

Die hohen Synergien mit einem Barwert von rund 43 Milliarden Dollar (nach Berücksichtigung von ca. 15 Milliarden Dollar Integrationskosten) resultieren aus Einsparungen bei den operativen Kosten (Opex) des größeren Unternehmens sowie den Investitionen (Capex). Sie sind damit von Marktentwicklungen weitestgehend unabhängig realisierbar. Umsatzsynergien sind darin nicht enthalten.

Bereits drei Jahre nach Inkrafttreten der Vereinbarung sollen die Kosten- und Investitionssynergien die Integrationskosten übersteigen. Diese werden in Summe auf rund 15 Milliarden Dollar veranschlagt. In der Folge soll der positive Beitrag der Opex- und Capex-Synergien sukzessive auf eine jährliche Runrate von mehr als 6 Milliarden Dollar ansteigen. T-Mobile US und Sprint erwarten das Wirksamwerden der Transaktion im ersten Halbjahr 2019.

Durch den Zusammenschluss will die größere T-Mobile US vor allem ihr Angebot im ländlichen Bereich verbessern. Auf Basis der im vergangenen Jahr erworbenen Mobilfunk-Frequenzen im 600 MHz-Bereich baut T-Mobile US bereits jetzt das 4G-LTE-Netz in ländlichen Regionen massiv aus. Das Unternehmen erschließt damit Regionen mit einem zusätzlichen Kundenpotential von rund 60 Millionen Einwohnern.

Insgesamt ist geplant, dass die größere Gesellschaft mehr Mitarbeiter beschäftigen wird als die beiden Vorläufergesellschaften zusammen. In ländlichen Regionen sollen dazu zusätzliche Callcenter-Kapazitäten beitragen sowie der Netzauf- und -ausbau mit entsprechendem Personalbedarf auch für die langfristige Wartung. Außerdem sollen hier zahlreiche neue Shops entstehen.

Die Kunden sollen in der Zukunft von einem umfassenden und beschleunigten 5G-Ausbau profitieren. Die größere T-Mobile kann dazu auf eine deutlich bessere Spektrumsposition zurückgreifen und die erforderlichen Frequenzen im unteren, mittleren und Millimeter-Wellen-Spektrum beider Unternehmen nutzen. Zusammen mit den stärkeren finanziellen Ressourcen verbessern sich dadurch die Möglichkeiten für den 5G-Ausbau entscheidend.

Das bedeutet für die Kunden künftig höhere Übertragungsgeschwindigkeiten, höhere Übertragungskapazitäten und kürzere Reaktionszeiten im Netz. Und für die Zukunft verspricht die 5G-Technologie mehr Innovationen auf Basis modernster Netztechnologie beispielsweise in den Bereichen Internet der Dinge, Virtual Reality oder Mobilitätsdienste. Die Beratungsgesellschaft Accenture erwartet durch die flächendeckende Einführung der 5G-Technologie rund 3 Millionen neue Jobs in den USA und einen Investitionsschub von rund 275 Milliarden Dollar. Eine größere T-Mobile US kann diesen Wachstumsschub für die US-Wirtschaft, den Accenture auf rund 500 Milliarden Dollar veranschlagt, beschleunigen. Für die Aktionäre der T-Mobile US entstehen somit durch den Zusammenschluss zusätzliche Wertsteigerungspotentiale.

Die Transaktion hat keine Auswirkungen auf die Prognose der Deutschen Telekom für die Entwicklung des Konzerns im laufenden Geschäftsjahr 2018. Die seitens Deutsche Telekom geplanten hohen Investitionen von über fünf Mrd. Euro jährlich in Deutschland werden durch die Übernahme nicht berührt. Die Deutsche Telekom hält an ihren ambitionierten Ausbauplänen für ihre Glasfaser- und 5G Netze in Deutschland fest. Die Planung lautet weiter auf ein bereinigtes EBITDA von rund 23,2 Milliarden Euro (basierend auf einem Wechselkurs von 1,13 Dollar/Euro) sowie einen Free Cashflow (vor Ausschüttung und Investitionen in Spektrum) von rund 6,2 Milliarden Euro.

Durch die Strukturierung der Übernahme als Aktientausch und die Stärkung der Selbstfinanzierung der neuen T-Mobile US tangiert die Transaktion die Investitionen des Konzerns in seinen anderen operativen Segmenten nicht.
Die Aussage zur Dividendenpolitik der Deutschen Telekom für das Geschäftsjahr 2018 bleibt ebenfalls unverändert. Für das Geschäftsjahr 2017 lautet der Dividendenvorschlag an die Hauptversammlung am 17. Mai 2018 auf 0,65 Euro je Aktie. Die Umsetzung dieser Ausschüttungspolitik steht unter dem Vorbehalt des entsprechenden Beschlusses der Hauptversammlung sowie des Vorliegens weiterer gesetzlicher Voraussetzungen.

Die Relation der Netto-Finanzverbindlichkeiten zum bereinigten EBITDA der Deutschen Telekom wird durch die Transaktion voraussichtlich den Zielkorridor von 2,0 bis 2,5 übersteigen. Durch die geplante starke Cash-Flow-Generierung der T-Mobile US in den kommenden Jahren soll das Verhältnis jedoch bereits 2021 wieder innerhalb des Korridors liegen.

Die Transaktion soll sich nach der Planung bereits nach drei Jahren positiv auf das Ergebnis je Aktie der Deutschen Telekom auswirken.

Die Vereinbarung steht unter dem Vorbehalt notwendiger behördlicher Genehmigungen (unter anderem US-Justizministerium, FCC, Sicherheitsbehörden), und der Zustimmung der Aktionäre von T-Mobile US und Sprint sowie weiteren Vollzugsbedingungen.

Die gesamte Mitteilung der Deutschen Telekom unter www.telekom.com.