„Wir sind zum dritten Mal dabei, jetzt wollen wir den Schas auch gewinnen“ gab sich Manfred Strasser vom Startup Swell gleich bei der eingespielten Video-Vorstellung der acht Finalisten des diesjährigen trend@venture Startup-Wettbewerbs kämpferisch. Sein Wunsch sollte sich erfüllen und er jubelte gemeinsam mit seinen Gründerkollegen bei der Preisverleihungsgala am 9. Mai im T-Center über den Sieg. Den Publikumspreis gewann Refugeeswork.at – eine Plattform, die Flüchtlingen die Integration in den Arbeitsmarkt erleichtert.

Der Abend begann mit einer Überraschung und endete mit einer weiteren. Ursprünglich war geplant, dass sich gleich zu Beginn der finalen Live-Pitches um den Sieg beim diesjährigen trend@venture Wettbewerb Staatssekretär Harald Mahrer mit seiner Gründerinitiative den Fragen von Business Angel Hansi Hansmann stellt. Doch der Rücktritt von Bundeskanzler Werner Faymann machte den Organisatoren einen Strich durch die Rechnung. Mahrer konnte sich zwar ob des überraschenden Rückzugs des Regierungschefs von den kurzfristig anberaumten ÖVP-internen Beratungsterminen kurz losreissen. Die wenigen Minuten nutzte der Politiker, um den „trend@venturern“, wie Oliver Judex, stellvertretender Chefredakteur des trend und Moderator des Abends, die geschätzten 250 Gäste liebevoll nannte, zu begrüßen. Zum Pitchen selbst fehlte Mahrer dann doch die Zeit – es reichte nur für ein Kurzinterview mit dem trend-Chefredakteur Andreas Lampl. Hansmann konnte der Absage immerhin etwas Positives abgewinnen: „Bisher ist nix weitergegangen und die Startup-Szene hat das ganz besonders gespürt. Das was heute passiert ist (Rücktritt von Faymann, Anmerkung), ist für die Szene in Österreich vielleicht hilfreich.“

Hochkarätige Jury stellt Projekte auf den Prüfstand
Ganz sicher geholfen hat der heimischen Szene die diesjährige Auflage des Startup-Wettbewerbs trend@venture, an der sich T-Mobile Austria nun bereits zum dritten Mal beteiligt hat. „Wir nehmen für uns viel Energie von den Startups mit“, begründete T-Mobile CEO Andreas Bierwirth das Engagement und verwies auf den Inkubator hub:raum und einen 500 Millionen Euro-Fonds für Anschlussfinanzierungen, den die Deutsche Telekom für kreative Unternehmensgründer bereit hält. Bierwirth war auch einer der insgesamt fünf Juroren, denen sich die acht Finalisten stellen mussten. Sie wurden aus mehr als 100 eingesandten Projekten ermittelt. Neben Hansmann prüften auch noch trend-Redakteurin Vanessa Voss, Doris Agneter, Chefin von tecnet equity, und Andreas Tschas, Co-Gründer des Pioneers Festival, die Projekte und Business-Pläne auf Zukunftstauglichkeit.

Plattform hilft Flüchtlingen bei Integration ins Arbeitsleben
Den ersten Live-Pitch beim diesjährigen trend@venture Wettbewerb absolvierte ein Startup, das nur um den Publikumspreis ritterte, und diesen letztendlich auch gewann. Das von Dominik Beron gegründete Startup Refugeeswork.at erlaubt es Flüchtlingen, legale Ausbildungs- und Arbeitsplätze zu finden. Die im Februar 2015 gestartete Plattform finanziert sich aus Beiträgen von Unternehmen, die Arbeitskräfte suchen. Laut Beron habe man bereits 200 Betriebe als Kunden, und arbeite derzeit an einem Online-Learning-Angebot, um die Qualifikation der Flüchtlinge zielgerichtet zu verbessern. „Wir als Unternehmen werden von Ideen zur Integration geradezu bombardiert, warum setzt gerade ihr euch durch?“, wollte T-Mobile-CEO und Juror Andreas Bierwirth wissen. „Wir bieten nicht nur die Verbindung zwischen Unternehmen und Flüchtlingen, sondern ganze Integrationskonzepte an“, erläuterte Beron. Refugeeswork.at würde die Flüchtlinge auf Bewerbungen vorbereiten, sich auch um alle rechtlichen Fragen kümmern und so den Aufwand für die Unternehmen minimieren.

„Tinder“ für Schulabgänger und Universitäten
Der erste Finalist des eigentlichen Bewerbs will Schulabgängern bei der Wahl des passenden Studiums behilflich sein. Unispotter bietet Informationen über mehr als 2.000 Studiengänge in einer App. Mittels Fragenkatalog checkt die Anwendung ab, welche Studienrichtung für den User am besten passt. „Auch Unis können mittlerweile nach passenden Studierenden suchen“, ergänzte eine der drei Gründerinnen Verena Mai bei der Präsentation. Die Unis sind auch diejenigen, die für Umsätze sorgen sollen. „Die Marketingaufwendungen der Universitäten sind in Österreich nicht gerade gering und der Erfolg der App ist messbar“, warb Mai. Das Unternehmen mit Standorten in Österreich und Estland will in den nächsten Tagen auch in Deutschland starten, und dann jede Woche einen neuen europäischen Markt erschließen.

Mit Smartphone zum Smartlight
Mit ihrem Startup „Luke Roberts“ wollen Robert Kopka und Lukas Pilat die „smarteste Leuchte der Welt“ entwickelt haben. Bereits 1000 Kunden warten auf die knapp 700 Euro teure Lampe. Welche Richtung und welche Farbe das Licht, die Fluxo, spenden soll, kann der User über App steuern und vorgefertigte Lichtprogramme per Knopfdruck abrufen. Hansmann führte die hohen Produktionskosten ins Treffen. „Ein großer Teil der Lampe kommt aus Wien und insgesamt handelt es sich um ein Produkt made in Europe“, entgegneten die beiden Gründer. Zudem wären die handelsüblichen Margen im Leuchtenbereich durchaus üppig.

Swell: Community als Entscheidungshelfer
Dem User Entscheidungen welcher Art auch immer zu erleichtern, ist die Mission des Wiener Startups Swell – vormals dvel. Via Gratis-App können die Nutzer zwei Fotos von zwei Alternativen hochladen und Freunde oder die gesamte Community um ihre Meinung zu beispielsweise zwei unterschiedlichen Outfits bitten. „Die lustigste Entscheidung, um die unsere Community bisher gebeten wurde, betraf eine Wahl zwischen Donald Trump und einem Gorilla“, erinnerte sich einer der drei Gründer Peter Buchroithner. Die Wahl habe der Gorilla übrigens mit 90 Prozent Zustimmung für sich entscheiden können. Die Gründer wollen mit ihrem Tool aber auch die schnellste Art von Marktforschung anbieten. „Wie wollt ihr euch monetarisieren?“, wollte Juror Tschas wissen. „Wir arbeiten gerade am Aufbau der Community“, entgegnete Buchroithner, ums Geldverdienen werde man sich erst etwas später kümmern. Derzeit hätte Swell um die 60.000 Nutzer, bis Jahresende sollen es dann bereits eine Million sein. Dass es mit dem Geldverdienen klappen wird, davon sind Hansi Hansmann und Investor Stefan Kalteis jedenfalls überzeugt, denn beide sind mit je 200.000 Euro an Swell beteiligt. Das Unternehmen ist übrigens bereits nach LA ausgewandert.

Consulter aus dem Online-Shop
Tina Deutsch und Nikolaus Schmid wollen zumindest dem D-A-CH-Raum noch länger treu bleiben. Mit ihrer Gründung Klaiton wollen sie auch komplexe Beratungsleistungen online verkaufen. Unternehmen können ihre Beratungsaufträge auf der Plattform ausschreiben. Von Klaiton überprüfte Berater, derzeit etwa 70, bewerben sich dann dafür. Klaiton fungiert für die Consulter auch als Backoffice. Die eigenen Umsätze generiert das Unternehmen aus Provisionen. „Der Beratermarkt im D-A-CH-Raum ist um die 30 Milliarden Euro schwer“, verrät Deutsch. Im Jahr 2019 will Klaiton mit 1000 Beratern zusammenarbeiten. Am Interesse der Consulter wird es jedenfalls nicht scheitern. „Wir verzeichnen derzeit drei Bewerbungen pro Tag“, sagte Deutsch.

Lukrative Parkraumbewirtschaftung
Payuca steht für „park your car“ und will Stellplatzbesitzer und Parkplatzsucher in Wien zusammenbringen. „Etwa 30 Prozent der Stellplätze in Wien stehen leer“, veranschaulichte Co-Gründer Moe Mahmoodian das Potenzial. Payuca statten Parkraumbesitzer mit einem Zutrittssystem aus. Parkplatzsuchende Autofahrer finden freie Plätze über eine eigene App und können dort ohne Vorbuchung und so lange sie wollen ihr Auto abstellen. „Das unterscheidet uns auch von der Konkurrenz“, betonte Mahmoodian, der Payuca gemeinsam mit Dominik Wegmayer gegründet hat. Weiteres Zuckerl für Autofahrer: Ein Payuca-Stellplatz ist um 10 Prozent günstiger als der normale Tarif für die Wiener Kurzparkzone. Die Einkünfte aus den Parkgebühren teilt Payuca mit dem Stellplatzbesitzern. Im Herbst dieses Jahres will Payuca in Wien starten und bereits ein Jahr später will das Gründerteam nach Deutschland expandieren.

Polygon nimmt der Zeiterfassung den Schrecken
So wie Payuca will auch Timeular einem alltäglichen Übel den Schrecken nehmen. Allerdings hatten Thomas Wolf, Manuel Bruschi, Christian Zanzotti und Manuel Zoderer nicht das Parken, sondern die Zeiterfassung im Visier: Typische Szene an einem späteren Freitag Nachmittag im Büro: Ein Mitarbeiter versucht aus dem Kopf zu rekonstruieren, wieviel Zeit er für welches Projekt oder Kunden aufgewendet hat, und gibt diese Schätzungen direkt in den Computer ein. Timeular hat nun ein achtseitiges Polygon entwickelt, mit dem jeder die Zeiterfassung exakter und ganz nebenbei erledigen kann. Zuerst kann der Nutzer das Polygon mit einem speziellen Stift beschriften – etwa mit verschiedenen Tätigkeiten oder auch Kundennamen. Beginnt der User mit einer bestimmten Tätigkeit, dann dreht er ZEI° auf die dazu passende Seite. Das Polygon misst fortan die Zeit und sendet sie an die zum System gehörende Software. Hansmann tat die Erfindung als Spielerei ab. „Der Trend geht klar in die Richtung, dass Software Hardware ersetzt und nicht umgekehrt“, argumentierte der Investor. Andere Geldgeber sehen das anders, denn Bruschi und Zoderer befanden sich am Gala-Abend in Singapur, um mit Geldgebern zu verhandeln. Der per Skype zugeschaltete Bruschi entgegnete auch: „Wir haben bereits fünf Partner, die 450.000 Menschen erreichen.“ Derzeit gibt es ZEI° nur als Prototyp. „An Kleinserien von wenigen 1000 Stück sind wir nicht interessiert“, stellte Christian Zanzotti klar, der das Projekt als einziger in Wien präsentiert.

Das Smartphone wird zum Walkie-Talkie
Ex-Grothusen-Eigentümer Alexander Kränkl und sein Team machen mit einer simplen App namens Lineapp das Smartphone oder Tablet zum Walkie-Talkie oder zum Interkomsystem (Sprechanlage). Damit können User innerhalb eines WLAN-Funknetzes mit nur einem Antippen untereinander kommunizieren. „Die App ist als Einsatz in der Live-Kommunikation bei Events, beim Broadcasting im Sport oder auch in der Notfall-Kommunikation gedacht und als B2B-Produkt konzipiert“, erläuterte Therese-Sophie Kränkl bei der Präsentation. Das Produkt sei fixfertig, das Patent für Europa in der Tasche, das weltweite nur noch eine Formsache, und 20.000 Kunden weltweit nutzen LineApp bereits. „Durch den Verkauf von Lizenzen, auf Wunsch auch nur für wenige Tage, wollen wir Erlöse generieren“, parierte Kränkl die Frage nach dem Geschäftsmodell. Zudem könne man, je nach Kundenwunsch, die Funktionen von LineApp erweitern. „Wir wollen der Industriestandard für Event-Kommunikation werden“, ergänzte Kränkl.

Die Emotionen bei regionalen Sportevents vermarkten
Ums Regionale geht es hingegen beim letzten der acht Finalisten des heurigen trend@venture-Wettbewerbs. Sportvideos365 bannt die vielen emotionalen Szenen, die sich im österreichischen Amateur- und Nachwuchssport zutragen, in Bewegtbild und macht sie online verfügbar. Dazu stattet das Startup Vereine mit einem Kamerasystem aus, das auf Knopfdruck kurze Videoclips anfertigt, die sich sofort übers Web oder Social Media publizieren lassen. Das eignet sich besonders für Höhepunkte, wie Tore oder Fouls. Einkünfte generiert Sportvideos365 durch Werbung und Linzenzverkauf. Seit dem Start im März letzten Jahres konnte man von knapp 19.000 Spielen über 240.000 Highlights publizieren und damit knapp 40 Millionen Video-Views generieren. Wegen der Reichweite fokussiert sich das Unternehmen auf Fußball. „Die Bundesliga blenden wir bewusst aus, aber dort spielen sich ja eh nur ein Prozent aller Dramen Österreichischer Fußballplätze ab“, erläuterte Co-Gründer Thomas Aigner den fünf Juroren. Immerhin gebe es in Österreich 2500 Fußballvereine.

Jury tagte länger als geplant
Durchaus emotional dürfte es dann auch bei der finalen Beratung der Juroren zugegangen sein. Denn die dauerte um einiges länger, als die angekündigten fünf Minuten und brachte eine weitere Überraschung: Weil die besten Finalisten derart knapp beieinander lagen, einigte man sich kurzerhand auf die Einführung eines Sonderpreises. Die Wertung sah am Ende folgendermaßen aus:

Vier Projekte unter den besten drei
Swell gewann den Hauptpreis, und damit Folgendes: 8.000 Euro in bar von tecnet equity, einen Beratungs-Scheck für Rechtsanwalts-Dienstleistungen über 5.000 Euro von BTP Nährboden, einen Stand am Pioneers Festival 2016, das am 24. und 25. Mai in der Wiener Hofburg stattfindet und einen HomeNet Router von T-Mobile um das Büro über WLAN mit LTE-Internet zu versorgen.

Über den Special-Award und einen von T-Mobile gesponserten Arbeitsplatz im hub:raum Berlin freute sich dann das Sportvideos365-Team rund um Thomas Aigner. Die jeweils mit einem Beratungsscheck über 2.000 Euro dotierten Plätze zwei und drei gewannen das Studenten-Service „Unispotter“ und „Luke Roberts“ mit seiner smarten Leuchte.

Doch auch für all jene, denen das Gründen nicht so liegt, und die eher an einem gut bezahlten Vollzeitjob interessiert sind, gab es an diesem Abend einen interessanten Tipp: Auf Karriere.at wird derzeit mittels Chiffre-Anzeige ein Bundeskanzler zum ehestmöglichen Beitritt gesucht.