Wie wäre es, wenn der Ehering wohlig vibriert, wenn der Partner ein verliebtes SMS schickt? Wie wäre es, wenn die Suche nach der Fernbedienungen für immer der Vergangenheit angehört, um Licht und Musik auf Romantikmodus zu dimmen? Es reicht, wenn man mit dem Finger, auf dem ein smarter Ring sitzt, eine bestimmte Geste in die Luft zaubert – eine Kreis- oder Auf- und Ab-Bewegung steuert das verheißungsvolle Ambiente.

Zukunftsmusik? Weit gefehlt, diese Hightech-Ringe sind bereits bestellbar. Beispiele sind der MOTA DOI und der ZERO. Beide gehören zu der rasant wachsenden Gruppe der sogenannten Wearables, zu Deutsch „tragbare Computersysteme“, was nahelegt, dass man besser bei der englischen Bezeichnung bleibt. Denn die heimische Benennung drückt nicht annähernd das aus, was die smarten Tragbaren sind: genial, verblüffend, schmuck, trendy, da und dort glücklich machend – und manchmal eben auch sexy.

Wearables geistern bereits seit den 1990er-Jahren durch Zeitgeist-Magazine, aber irgendwie hat es Apple wie schon bei iPhone und iPad geschafft, die meiste Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Die erste Version der Apple Watch wurde 2014 angekündigt, vor kurzem ist der Nachfolger auf den Markt gekommen. Mittlerweile haben viele große Hersteller nachgezogen. Als Pionier unter den sogenannten Smartwatches gilt allerdings die Pebble.

Uhren sind nur der Anfang eines Booms, die die Intelligenz, die schon in Handys, Fahrzeugen und vielen anderen „smart devices“ verpackt ist, direkt an den Körper bringen. Dabei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Bereits erhältlich oder in Entwicklung sind neben den eingangs erwähnten smarten Ringen etwa Ohrhörer, die nicht nur Musik liefern, sondern gleichzeitig Puls, Temperatur und Sauerstoffsättigung messen; Armbänder, die Alarm schlagen, wenn die UV-Belastung für die Haut zu hoch ist oder smarte Windeln, die den Urin des Kindes direkt am Körper analysieren, um etwaige Gesundheitsprobleme frühstmöglich zu erkennen.

Drei milliardenschwere Bereiche
Die Experten von PwC haben drei Bereiche identifiziert, in denen Wearables ihre volle Stärke ausspielen können: Gesundheit, Vertrieb und Unterhaltung.

Da Wearables einen bequemen Weg zu den wichtigsten Körperfunktionen bieten – schicke Smartwatch statt globiger Blutdruckmesser –, sind sie für den Bereich Gesundheit und Fitness wie geschaffen. So lassen sich etwa der allgemeine Gesundheitszustand permanent überprüfen, Diäten gezielt steuern oder die Qualität klinischer Studien deutlich steigern. Laut der PwC-Umfrage würden in den USA 70 Prozent Wearables tragen, die kostenlos vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt werden, um die Fitness und die Produktivität im Betrieb zu steigern. Im Gegenzug könnten die Versicherungsbeiträge reduziert werden.

Im vertrieblichen Bereich erwarten sich die Experten von PwC ein neues Zeitalter in Sachen Einkaufserlebnis. So könnten Produktinformationen direkt auf smarte Brillen projiziert, der Bezahlvorgang beschleunigt oder gezielte Werbung abgesetzt werden, die quasi „unter die Haut geht“.

Auch beim Thema Unterhaltung könnten Wearables ihren größeren Brüdern wie Tablets oder Smartphones bald den Rang ablaufen. Besonders die Spieleindustrie erwartet sich eine neue Ära, in der etwa der User selbst Teil des Spielgeschehens wird.

So schillernd die Zukunft von Wearables auch sein mag – laut PwC sollen bis 2018 130 Millionen Devices über den Ladentisch gehen –, die Vorfreude auf die neue, schöne Welt wird nicht von allen geteilt. Vor allem die Frage des Datenschutzes bereitet größere Kopfschmerzen denn je. Während Smartphones oder Tablets schon heute sehr viel über den User verraten, gehen Wearables quasi an die Substanz. Aus Körperfunktionen werden Datensätze und aus Gefühlen vernetzte Informationen – Liebe geht durch den smarten Ringfinger, und, wenn man den Schutz nicht nachhaltig garantiert, von dort aus ins World Wide Web.