Am Welt-Aids-Tag, der jedes Jahr am 1. Dezember stattfindet, zeigen viele Menschen und Organisationen Solidarität mit Menschen mit HIV und ihren Freunden und Familien und rufen dazu auf, aktiv zu werden. Als langjähriger Sponsor des Life Balls unterstützt T-Mobile HIVmobil. Diese mobile Pflegeeinrichtung bietet seit 1999 Menschen mit Aids in Wien Pflege und Betreuung zu Hause an. Ermöglicht wird dieses Angebot von Beginn an durch Spenden seitens Aids Life (Life Ball) und seit 2004 zusätzlich durch einen Leistungsvertrag mit dem Fond Soziales Wien. Ein Gespräch mit Beate Dannoritzer, Geschäftsführerin des Vereins HIVmobil, über die Herausforderungen der Arbeit von HIVmobil.

Was zeichnet das HIVmobil-Pflegeangebot für HIV-positive und an Aids erkrankte Menschen aus? Was sind die besonderen Herausforderungen bei der Arbeit mit HIV-positiven PatientInnen?

Beate Dannoritzer, Geschäftsführerin HIVmobil
Beate Dannoritzer, Geschäftsführerin HIVmobil: „Einsparungen im Gesundheitsbereich stellt kleinere Einrichtungen vor große Finanzierungsprobleme.“

Dannoritzer: Aufgrund der guten Therapieerfolge ist die Lebenserwartung von Menschen mit HIV/Aids gestiegen und die Infektion hat chronischen Charakter angenommen. Die individuellen Krankheitsbilder haben sich jedoch stark verändert. Eine besondere Herausforderung stellen die unterschiedlichsten Lebenswelten der Menschen mit HIV/Aids dar. Wir begegnen dem Krankheitsbild in allen sozialen und gesellschaftlichen  Zusammenhängen, in allen Altersgruppen und in jeder Form der sexuellen Orientierung.

Gibt es Veränderungen in den letzten Jahren?
Dannoritzer: Zunehmend können Menschen mit HIV/Aids eine annähernd gleiche Lebenserwartung erlangen wie Menschen ohne die Infektion. Dies hat jedoch zur Folge, dass viele alterstypische Zusatzerkrankungen auftreten, denen in der Kombination mit der HIV-Erkrankung besonderes Augenmerk hinsichtlich Verträglichkeit der Medikamente und bestimmter Interaktionen geschenkt werden muss. Besondere Bedeutung in präventiver Hinsicht hat auch das umfangreiche Medikamentenmanagement und die Beratung hinsichtlich der Adhärenz der PatientInnen.

Es  sterben jedoch auch in Österreich weiterhin Menschen ursächlich an den Folgen der Immunschwäche. Die Begleitung der Sterbenden und ihres sozialen Umfeldes ist HIVmobil ein besonderes Anliegen und wird nach den Grundsätzen der Palliative Care durchgeführt.

Was sind die strukturellen Schwierigkeiten einer kleinen spezialisierten Einrichtung?
Dannoritzer: Einerseits stellen punktuelle Einsparungsmaßnahmen im Gesundheitsbereich vor allem kleine Einrichtungen vor strukturelle Finanzierungsprobleme. Zum Anderen können manche optimierende Maßnahmen aufgrund der – verglichen mit anderen Anbietern – wesentlich kleineren PatientInnenzahl nicht getroffen werden. Im Bereich der medizinischen Hauskrankenpflege hat HIVmobil 2013 massive finanzielle Einbußen verzeichnen müssen, da die speziell für HIV-PatientInnen oft wichtigen Infusions- und Ernährungstherapien nicht mehr kostendeckend geleistet werden können.

Als weiteres Beispiel sind optimierende Maßnahme im Bereich der Wegzeiten (Einsatzplanung nach Bezirken) für HIVmobil oft nur sehr schwer oder gar nicht möglich, weil zu wenige PatientInnen in gleichen Bezirken wohnen. Derzeit ist das HIVmobil-Team bei zwei PatientInnen am entgegengesetzten Ende von Wien mehrmals täglich im Einsatz und fährt mit Privatfahrzeugen bei schlechter Verkehrslage bis zu einer Stunde von einem Pflegebesuch zum anderen und kann dafür nur die obligate „15 Minuten Verrechnung“ tätigen.

Was wird benötigt?
Dannoritzer: Es fehlt nicht nur an zusätzlicher finanzieller Unterstützung, sondern auch an den wie schon oben angesprochenen vermeintlich kleinen Dingen wie die Regelung der Wegzeiten. Hier möchte ich ein Statement einer HIVmobil-Krankenschwester exemplarisch anführen: „Wenn wir weiterhin alle Menschen, die unsere Hilfe benötigen, zu Hause gut versorgen wollen und dadurch unnötige Krankenhausaufenthalte vermieden werden können, sollten auch die Fahrtzeiten vergütet werden. Ich bin heute 75 min auf der Südosttangente bei Stau und Umleitungen unterwegs gewesen“.

Wir danken Beate Dannoritzer für das Gespräch. Die Arbeit von HIVmobil kann auch über Spenden finanziell unterstützt werden.

Weitere Informationen zu HIVmobil auf der Plattform „Wie-wir-wollen“