Es ist ein höchst unsichtbares Gut, um das der Staat in den vergangenen sechs Wochen und einem Tag eine sehr lukrative Pokerrunde veranstaltete: Die Frequenzen, die dazu nötig sind, um Frau und Herrn Österreicher (und Millionen Touristen) in allen Lebenslagen mit Telefonie und Internetzugang zu versorgen. Für die Finanzministerin ging das Spiel in abgesicherten Räumen mit geheim gehaltenen Spielern höchst profitabel aus: Um 2,014 Milliarden Euro wurden insgesamt 28 Frequenzpakete in den Frequenzbändern 800, 900 und 1800 Megahertz versteigert, rund 60 Prozent aller verfügbarer Frequenzen.

Der Abschluss der Frequenzauktion am 21.Oktober 2013 und die dabei erworbenen Nutzungsrechte liefern T-Mobile die Voraussetzung zum Ausbau von leistungsfähigem mobilem Breitband auf Basis von LTE in ganz Österreich. Im Zuge der Versteigerung hat T-Mobile Austria 9 Frequenzpakete (ein Paket sind 2x5MHz) in den Bereichen 800 (2 Pakete), 900 (3 Pakete) und 1800 Megahertz (4 Pakete) zum Preis von insgesamt 654,5 Millionen Euro ersteigert.

Rekord-Gebühren belasten Investitionen für den Ausbau
Was nach Ankündigung der Telekom-Kontrollkommission (TKK) rasch gehen und „nicht auf Gewinnmaximierung“ ausgelegt sein sollte, geriet jedoch zu einem Marathon mit den teuersten Lizenzgebühren in der EU, im Markt mit den niedrigsten Preisen für Mobilfunk. „Diese exorbitant hohen Lizenzgebühren entziehen den Netzbetreibern die dringend benötigten Mittel für den Netzausbau“, erklärte Andreas Bierwirth, CEO T-Mobile Austria, zum Abschluss der Versteigerung. „Aufgrund des sehr hohen Ertrags für den Staat sollte darum die in Aussicht gestellte staatliche Förderung des Breitband-Ausbaus für strukturschwache Regionen sehr deutlich angehoben werden.“

Als Folge der hohen Lizenzgebühren verlangte Bierwirth, dass die von Infrastrukturministerin Doris Bures angekündigte Förderung des Breitband-Ausbaus in ländlichen Regionen auf eine Milliarde Euro erhöht wird. Ursprünglich wurden von Bures 250 Mio. Euro Förderung in Aussicht gestellt, die Hälfte des Mindestertrags von 526 Mio. Euro. Die tatsächlichen Lizenzgebühren betragen etwa das Vierfache dessen, begründete Bierwirth, also soll auch die Förderung entsprechend steigen. Damit würde der Staat zumindest einen Teil der Lizenzgebühren in den Ausbau von Breitband-Infrastruktur zurück investieren.

Voraussetzung ist jedoch, dass die Förderung technologieneutral erfolgt und nicht einseitig das Festnetz bevorzugt. „Der Blick auf die hoch entwickelten Breitband-Staaten in der OECD zeigt, dass kostengünstige flächendeckende Versorgung vor allem durch mobiles Breitband rasch vorangetrieben wird. In Ländern wie Australien, Finnland oder Schweden macht Mobilfunk 75 bis 80 Prozent der Versorgung aus, in Österreich liegt er noch deutlich darunter.“ Das zeigt auch der jüngste Bericht der ITU (Internationale Fernmelde-Union): Mit jährlichen Wachstumsraten von 30 Prozent übertrifft mobiles Breitband das Festnetz um das Dreifache und ist die am schnellsten adaptierte Technologie der Geschichte.

Ausbau von LTE vorantreiben
Zusammen mit vorhandenen weiteren Frequenzen im Bereich von 2100 und 2600 Megahertz kann jetzt der flächendeckende Ausbau der vierten Generation des Mobilfunks, LTE, weiter vorangetrieben werden. Die Kombination aus niederen und höheren Frequenzen ermöglicht einerseits sehr gute Indoor-Versorgung sowie gute Verbreitung in ländlichen Regionen, andererseits bringt sie die notwendige große Kapazität in Ballungszentren. LTE wird in den nächsten Jahren der Motor des Ausbaus der individuellen Breitband-Versorgung in Österreich sein, da Mobilfunk wesentlich schneller und kostengünstiger zu errichten ist als die Erweiterung von Leitungsnetzen zu Wohnhäusern und Wohnungen. Allerdings können die jetzt versteigerten Frequenzen erst ab 2016 bzw. 2018 genutzt werden.

Derzeit bietet T-Mobile LTE-Versorgung bereits für rund 1,5 Millionen Menschen in Österreich an, bis Jahresende wird diese Reichweite auf 2,1 Millionen wachsen.